Feeds:
Artikel
Kommentare

Archiv für Juli 2009

Schon seit längerem schreibe ich in der Klinik auch Entlassungsbriefe. Meist die kurzen oder solche mit häufigen Erkrankungen, für die auf dem Server schon diverse Bausteine gespeichert sind. Also meldete ich mich auch diesmal freiwillig diverse Altlasten mit zu beseitigen, was einen Assi, der bald Facharztprüfung hat, sehr freute. Wir besprachen, er würde mir die “leichten” Fälle heraussortieren.

Also ging ich nach meinen zwei OPs (bei denen ich – oh Wunder – nähen und knoten durfte , neben meinen üblichen Tätigkeiten) in entsprechendes Arztzimmer, wo man mich gleich mit Saft, Schokolade und allerlei anderen Dingen gut verpflegte. Als ich mich allerdings an den Stapel machte, merkte ich schnell, dass es sich einfach um den normalen Stapel handelte – da war gar nichts vorsortiert. Daher las ich mir erstmal 3 Akten durch (ich kenne die Patienten ja nicht, sie waren vor meiner Zeit stationär) und wartete bis der PC frei war. Dann waren beide Assis plötzlich weg und ich musste allein erstmal überhaupt alle Diagnosen verschlüsseln – wirklich mühsam, wenn man das Programm nicht kennt und noch dazu bei einem Schlagwort wie “Demenz” 42 verschiedene Varianten von Demenz vorgeschlagen bekommt. Selbst wenn ich entsprechenden Patienten miterlebt hätte, könnte ich nicht sagen, ob es sich nun um einer kortikale oder eher subkortikale Demenz handelte.

Irgendwann wurde ich dann einigermaßen warm mit dem Programm und nachdem ich die Hälfte nochmal machen musste, weil ein Assi mir “helfen wollte” und ein Programm einfach ohne abzuspeichern schloss, hatte ich in den 2 Stunden dann auch einen Brief fertig. Genervt und mit Kopf – & Nackenschmerzen machte ich mich auf zur Besprechung.

Wenn mir bisher Ärzte von dem vielen Papierkram erzählt hatten, dachte ich immer, es würde mich nicht so stören, da ich ja mit PCs aufgewachsen bin und es ja gar nicht anders kenne mit der vielen Schreiberei. Das heute ging jedoch wiklich an die Substanz – man will es ja auch alles richtig und gut machen, zerbricht sich den Kopf über einen ICD-10-Code, der am Ende wahrscheinlich keinen Unterschied macht, weil er beim verschlüsseln eh keinen Cent extra einbringt. Für welche Nebendiagnosen das gilt, weiß man bei der Flut an möglichen Diagnosen aber leider nicht.

Das nächste Problem war, dass die Akte total unvollständig war. Kein Labor, keine Röntgenbefunde, kein Untersuchungsbefund notiert – aber laut Anordnung bzw. Kurve alles gemacht. Mühsam suchte ich dann doch alles zusammen und konnte den Fall irgendwie rekonstruieren.  Was mal wieder sehr eindrucksvoll zeigt, dass Altlasten anzusammeln allein schon Mist ist. An unsere jetzigen Patienten würde ich mich noch so gut erinnern, dass ich gar nicht erst so sehr auf die Akte angewiesen bin. Aber so… )=

Darum werde ich mich morgen also mit hoffentlich etwas mehr Orientierung in den Programmen an den Rest des Stapels setzen – aber erst nach meinen OPs!^^

Read Full Post »

Gerade bin ich aus dem Fitty zurück und meinem Rücken geht es nun sehr viel besser. Heute morgen in der Chefvisite machten mir Bauch und Rücken sehr zu schaffen, einige Mal dachte ich, die Visite kutz verlassen zu müssen, aber soweit kam es doch nicht.

Der übliche Ablauf der Blutentnahmen wurde heute gleich mehrmals unterbrochen, da eine Patientin stark unterzuckerte, aber auch unter Glucoseinfusion noch länger ein neurologisches Defizit zeigte. Erst dachte ich bei bekannten TIA-Episoden sofort an einen Schlaganfall, sie zeigte ein eindeutiges Neglect und eine Aphasie. Der nette Pfleger warf schon Lyse in den Raum, was die Assi und ich allerdings realtivierten – wenn Patienten mit solchen Symptomen morgens aufwachen, kann man nie genau sagen, ob das Zeitfenster von 6 Stunden nicht schon überschritten wurde. ZUm Glück klarte sie dann doch immer mehr auf, aber eben über Stunden, sodass es eher wie ein PRIND imponierte und gar nicht so typisch für Unterzuckerung war (da wird man bei normalem BZ ganz schnell wieder kalr im Kopf).

Im Schädel-CT sah ich auch eindeutig ältere Herde und da sie zwar eine multiple Herzmedikation hatte, aber keinen Gerinnungshemmer, wollte ich schon gerne, dass das kardiologische Konsil möglichst schnell läuft, um eventuelle Thromben im Herzen auszuschließen oder eben einen Gerinnungshemmer anzusetzen. Da ich den Internisten im Ultraschall noch von früher kannte, bat ich ihn persönlich darum die Dame dazwischen zu schieben und er war sofort einverstanden.

Von einem unserer Assis (der keine Viggos legen kann) wurde ich dann blöd angemacht, was es denn solle, schließlich seien diese Hypoglykämien bei ihr bekannt und sie haben sicher keine Thromben im Herzen. Nachdem ich fragte, wie er sich dann die alten Infarkte im cCT erkläre, und ob er es nicht für möglich halte, dass eine Patientin mit Diabetes, Bluthochdruck (mindestens 3 Medis dagegen) und ohne ASS oder ähnliches Arteriosklerose in den Halsgefäßen oder eine Vorhofflimmern mit Herzohrthromben habe, kam er in Erklärungsnot. “Ach, die nimmt keinen Gerinnungshemmer? Mmmmh…” Ja, danke, so schlau war ich auch, aber hauptsache erst einmal rumgemeckert.

Dass ich nichts falsch gemacht hatte, wusste ich allein schon weil der Chef persönlich das Konsil ausgefüllt und mit dem Aufkleber “sehr dringend!” versehen hatte. Die FR

Die Frage des Assis, ob denn der Röntgenbefund schon da sei, fand ich fast noch peinlicher. Ich brauche doch keinen Radiologen, der mir sagt, dass da alte Infarkte sind und eine Blutung ausgeschlossen werden kann. Mehr sieht man so kurz nach einem Schlaganfall nämlich nicht im CT und dafür hat man auch als Nicht-Radiologe Augen im Kopf. Bei aller Liebe zur Fachidiotie…

Die Pflege war jedenfalls meiner Meinung und ich bemerkte den ganzen Tag, dass besagter Assi ein starkes Problem damit hat, mir Aufgabe zu übertragen. Nicht aus eigener Unsicherheit mir zuviel zu erlauben, er sagt wirklich ich könne das ja nicht, selbst wenn ich darauf hinweise, dass ich bei anderen Ärzten IMMER die Aufnahmebögen ausfülle, die Viggo lege und Blut abnehme. Ihn scheint es massiv zu stören, dass ich dort so viel kann und darf, während die Pflege aber auch unsere Oberen regelmäßig die Augen verdrehen oder ihn zusammenstauchen. Fragt mich nicht, was ich jetzt daran ändern soll – ich stell mich doch nicht dumm, damit der sich besser fühlt!

Die Patientin kam dann übrigens auf die internistische Intensivstation, allerdings eher wegen des Blutzuckers. Trotzdem ist sie dort wohl besser aufgehoben als bei uns mit dem “tollen” Assi im Dienst.

In der Ambulanz kam dann ein Notfall zum anderen und so kam ich nichtmal dazu mit der neuen Kollegin frühstücken zu gehen. Sie aß allein, nachdem sie vergeblich auf mich gewartet hatte. Während meine neurologischen und auch anästhesiologischen Kenntnisse gleichermaßen gefragt waren (Krampfanfall,Repositionen in Kurznarkose,…), hatte ich mir die zwei OPs für morgen wohl auch redlich verdient. Außerdem meldete ich mich freiwillig dafür beim Entlassungsbrief schreiben zu helfen – ein Assi macht bald seinen Facharzt und kommt durch die Altlasten kaum zum Lernen, da helfe ich natürlich gerne. Für einen OP-losen Tag bin ich heute sehr beschäftigt gewesen und auch mit einem guten Gefühl aus der Klinik gegangen…

Über den netten Pfleger berichte ich morgen ausführlicher, wir hatten heute wieder sehr viel miteinander zutun und er war es, der voll auf meiner Seite stand bei dem Streit mit dem Assi. Bei ihm konnte ich dann erstmal schön ablästern – schließlich ist meine OÄ noch immer weg, mit der rege ich mich sonst darüber auf!^^

Read Full Post »

OP-Flaute

Unser OP-Programm ist gerade irgendwie sehr mau, heute gab es nur zwei Eingriffe, für morgen ist eine einzige Kleinigkeit geplant. Wenn operiert wird, sind meist die älteren Assis eingeplant, da sie noch ihren OP-Katalog füllen müssen oder eben die neue Kollegin, als Vorbereitung für die ersten Dienste. Außerdem kann man die Gute ja auch nicht gleich vergraueln, indem man sie täglich in die Ambulanz abschiebt!^^

Verstehen kann ich das ganze schon, aber trotzdem ist natürlich jeder heiß darauf in den OP zu kommen – dafür wird man ja Chirurg! So gibt es die täglichen 5 Minuten des angespannten Schweigens während der Chef mit ernster Miene und zusammengekniffenen Augen versucht seine eigene Schrift zu entziffern, um den Plan für den nächsten Tag zu erstellen. Dann ist es immer ganz still im Besprechungsraum, denn keiner will den Chef stören, doch irgendwie versuchen alle nonverbal in irgendeiner Form aufzufallen. Sobald der Chef weg ist und einer den Plan kopiert, stürmen alle hin und schauen, ob sie dabei sind – schon irgenwie witzig. Zurzeit sind so viele Ärzte im Urlaub, dass die Chancen für mich eigentlich nicht schlecht stehen, wenn es denn OPs gäbe.

So verbrachte ich heute wieder den ganzen Tag an der konservativen Front, wo es wie immer genug zutun gab. Die neue Assi und ich teilten uns die Blutentnahme auf, danach zeigte ich ihr, wie man lehrbuchreif Blut aus einem ZVK (Zentralvenenkatheter) abnimmt. Beim zweiten Patienten machte sie es selbst und ich schaute nur zu bzw. reichte an. Ich komme mir och immer komisch vor ihr etwas beizubringen, aber sie scheint sich zu freuen, denn vor mir braucht sie sich auch nicht zu schämen. Ich schätze vor den Oberärzten wäre es ihr unangenehmer zuzugeben dies und jenes noch nie gemacht zu haben. Cool finde ich, dass sie versucht meine Art von Smalltalk mit den Patienten zu übernehmen – dann merken diese die Unsicherheit gleich viel weniger und freuen sich, dass man überhaupt mal außerhalb der Visite Interesse an ihren Befinden zeigt. Wobei bei den betagteren Herrschaften Themen wie Enkelkinder oder Handarbeiten oft genauso gut ankommen!^^

Die Verbände waren ebenfalls schnell gemacht und so ging es in die Ambulanz. Beim letzten Mal hatte ich eher einen Bogen drum herum gemacht, einfach weil ich das Gefühl hatte die Schwestern mehr zu nerven als ihnen zu helfen. Bestimmte Patienten kann ich eben einfach noch nicht behandeln, weshalb ich mir natürlich aus dem Stapel die “einfachen” mit Wunden, Brüchen oder orthopädischen Beschwerden heraussuche. Dies bringt dann aber die Reihenfolge durcheinander, erzeugt Unmut bei den Patienten, der wiederum an den Schwestern ausgelassen wird. So führt das ganze zu einer eher gereizten Stimmung. Heute war es allerdings ok und ich stellte fest, ich habe nichts verlernt!^^ Ich war nicht einmal missmutig, dass die neue Assi mir eine wunderschöne gerade und leicht zu nähende Schnittwunde wegschnappte – naja, immerhin sah es wirklich schön aus, was sie dort machte.

In der Nachmittagsbesprechung stelle ich meine Patienten dann auch vor und als Premiere zeigte ich heute zum ersten Mal die Röntgenbilder (ich hatte mir erklären lassen wie man das Programm bedient und nach welchen Kriterien sortiert wird). Die Tatasache, dass ich offensichtlich noch am Leben bin zeigt, dass es recht gut funktionierte^^ – da fühlt man sich gleich wieder ein Stück mehr zum Team zugehörig.

Der Knochen-Oberarzt bekam dann noch eine kleine Packung mit Pralinen von mir inklusive dem Hinweis, freche Sprüche und Schleimerei müsste sich schließlich die Waage halten – ich möchte ja noch weiterhin in der Trauma assistieren dürfen! Er lachte und freute sich darüber, hatte mir also meine Sprüche bisher auch nie wirklich übel genommen. Erwartet hatte ich dies allerdings auch nicht…^^

Read Full Post »

Older Posts »

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 32 Followern an