Schon seit längerem schreibe ich in der Klinik auch Entlassungsbriefe. Meist die kurzen oder solche mit häufigen Erkrankungen, für die auf dem Server schon diverse Bausteine gespeichert sind. Also meldete ich mich auch diesmal freiwillig diverse Altlasten mit zu beseitigen, was einen Assi, der bald Facharztprüfung hat, sehr freute. Wir besprachen, er würde mir die “leichten” Fälle heraussortieren.
Also ging ich nach meinen zwei OPs (bei denen ich – oh Wunder – nähen und knoten durfte , neben meinen üblichen Tätigkeiten) in entsprechendes Arztzimmer, wo man mich gleich mit Saft, Schokolade und allerlei anderen Dingen gut verpflegte. Als ich mich allerdings an den Stapel machte, merkte ich schnell, dass es sich einfach um den normalen Stapel handelte – da war gar nichts vorsortiert. Daher las ich mir erstmal 3 Akten durch (ich kenne die Patienten ja nicht, sie waren vor meiner Zeit stationär) und wartete bis der PC frei war. Dann waren beide Assis plötzlich weg und ich musste allein erstmal überhaupt alle Diagnosen verschlüsseln – wirklich mühsam, wenn man das Programm nicht kennt und noch dazu bei einem Schlagwort wie “Demenz” 42 verschiedene Varianten von Demenz vorgeschlagen bekommt. Selbst wenn ich entsprechenden Patienten miterlebt hätte, könnte ich nicht sagen, ob es sich nun um einer kortikale oder eher subkortikale Demenz handelte.
Irgendwann wurde ich dann einigermaßen warm mit dem Programm und nachdem ich die Hälfte nochmal machen musste, weil ein Assi mir “helfen wollte” und ein Programm einfach ohne abzuspeichern schloss, hatte ich in den 2 Stunden dann auch einen Brief fertig. Genervt und mit Kopf – & Nackenschmerzen machte ich mich auf zur Besprechung.
Wenn mir bisher Ärzte von dem vielen Papierkram erzählt hatten, dachte ich immer, es würde mich nicht so stören, da ich ja mit PCs aufgewachsen bin und es ja gar nicht anders kenne mit der vielen Schreiberei. Das heute ging jedoch wiklich an die Substanz – man will es ja auch alles richtig und gut machen, zerbricht sich den Kopf über einen ICD-10-Code, der am Ende wahrscheinlich keinen Unterschied macht, weil er beim verschlüsseln eh keinen Cent extra einbringt. Für welche Nebendiagnosen das gilt, weiß man bei der Flut an möglichen Diagnosen aber leider nicht.
Das nächste Problem war, dass die Akte total unvollständig war. Kein Labor, keine Röntgenbefunde, kein Untersuchungsbefund notiert – aber laut Anordnung bzw. Kurve alles gemacht. Mühsam suchte ich dann doch alles zusammen und konnte den Fall irgendwie rekonstruieren. Was mal wieder sehr eindrucksvoll zeigt, dass Altlasten anzusammeln allein schon Mist ist. An unsere jetzigen Patienten würde ich mich noch so gut erinnern, dass ich gar nicht erst so sehr auf die Akte angewiesen bin. Aber so… )=
Darum werde ich mich morgen also mit hoffentlich etwas mehr Orientierung in den Programmen an den Rest des Stapels setzen – aber erst nach meinen OPs!^^
