In der Woche ist mir der Kleine extrem ans Herz gewachsen. Besonders unsere genialen Gespräche über die wichtigen Dinge des Lebens bleiben mir sicher lange im Gedächtnis. Zunächst klärten wir ja, wie ich nun überhaupt zu ihm stehe: ich sei ja groß, aber nicht alt. Seine “Tanten” (Freundinnen seiner Mama) seien alle viel älter. Ich sei ja viel mehr wie eine Schwester, wobei er aber auch fragte ob ich seine Cousine sei. Bei allen Gemeinsamkeiten stellte er aber immer wieder fest, dass ich eher wie eine Schwester bin. Am Ende war ich dann “fast seine Schwester” beziehungsweise vor den Großeltern die Stiefschwester.^^
Da er sich beim Spielen natürlich zum Teil im Matsch und Gras hinlegte, achtete ich immer stark darauf, dass er mit den schmutzigen Sachen nicht durch die ganze Wohnung rennt. Am Anfang hat er sich ganz doll angestellt, total putzig – ich dürfe ihn nicht ohne Jeans nur in Boxershorts sehen.^^ Natürlich wollte ich das auch auf jeden Fall respektieren, nur als ich auf sein Verlangen hin am Donnerstag abend für die Familie 2 Aufläufe kochte, schien er das Vergessen zu haben. Frisch aus der Badewanne stand er splitternackt neben mir in der Küche mit der Frage “Was gibt es zu Essen?”. Tja, Männer und ihre Prioritäten….^^
Dass ich dort wohnen soll, hatte ich ja schon erwähnt. Ich war wirklich froh, dass er ich so gerne mochte, denn das macht alles einfacher – auch das für die Schule Üben und das Schimpfen, wenn er seine Grenzen austestet. Schwer war nur, dass er nicht gerne verliert – er wird dann sauer, hat keine Lust mehr, wenn es nur anzeichen dafür gibt, dass er nicht gewinnt. Beim Kickern habe ich meist nachgegeben, wenn er meinte dies und jenes zähle nicht. Aber irgendwie muss er es ja auch lernen, Gleichaltrige werde ihn nicht gewinnen lassen und bald nicht mehr mit ihm spielen, wenn er wütend dabei wird. Zum Glück hat seine Mutter ihm da auch nochmal ein paar Takte erzählt, als wir zu dritt ein Spiel spielten.
Trotzdem hat er eigentlich immer auf mich gehört und hatte nur einen kurzen bockigen Aussetzer, als wir auf dem Spielplatz waren. Erst spielte er mit einem ganz goldigen kleinen Mädchen, aber dann kam eine seiner Klassenkameradinnen, mit ihrer Schwester und einer Freundin. Er sagte Hallo, aber als sie ihn ignorierten, wusste ich sofort, dass es blöde Zicken waren. Trotzdem wollte ich den Kleinen nicht davon abhalten mit ihnen zu spielen. Er fragte und wurde sozusagen geduldet, durfte die anderen fangen.
Überall wo die Mädchen hinliefen war natürlich “Klippo!”, dies und jenes zählte nicht und überhaupt hatte er keine echte Chance die Mädels zu fangen. Sie kommandierten ihn herum, die eine hatte einen heftigen Befehlston drauf. Als die drei dann gingen, wollte ich von ihm nur wissen, ob sie länger weg seien, dann könnten wir ja auch essen gehen. Ich hatte nämlich Hunger und musste dringend noch woanders hin. Er befürchtete aber gleich, ich würde ihm verbieten weiterzuspielen, fing an zu bocken und zu weinen, nie dürfe er irgendwas. Beleidigt und heulend setzte er sich an einen Baum.
Zum Glück blieb ich ruhig, fragte ihn was eigentlich das Problem sei und erklärte was ich mir dachte. Er sagte, die drei kämen gleich wieder und würden nur Getränke holen. Meine Befürchtung war, dass die Zicken nicht wiederkommen würden und ihn nur loswerden wollten. Es lief zwar anders, aber nachdem sie noch kurz weiterspielten und ihm sogar Kekse abgaben (auf die Frage, ob seine Schwester auch etwas wolle, muss er nein gesagt haben, mir hat niemand etwas angeboten^^), verließen sie den Spielplatz und tönten laut, sie wollten skaten. Ich ermutigte ihn noch zu fragen, ob wir mitskaten können, aber sie ignorierten ihn. So hatte sich die Sache von selber erledigt und wir gingen heim.
Ich fragte nochmal “traurig” nach, warum er denn davor gleich so böse auf mich gewesen sei. Eine klare Antwort bekam ich nicht, aber zwischen den Zeilen klang es wie “es war nicht so gemeint”. Sonst haben wir uns aber die ganze Zeit glänzend verstanden, also wollte ich da auch nicht zu sehr nachharken.
Außerdem wurden noch diverse Dinge geklärt: Frauen können doch Fußball spielen, ich habe noch Zeit zum Heiraten und Babys bekommen, große Herzen auf einem gemalten Bild sind mehr wert als viele kleine, beim Kickern zählen keine Eigentore und beim Verstecken mit Plüschtieren müssen diese der Größe nach gefunden werden. Alles klar?!?^^

Kinder können manchmal so richtig gemein sein, aber sie sagen meistens die Wahrheit. Aber schön, das du als große Schwester angenommen wurdest
Hehe, Jungs… In meinem Au-Pair-Jahr hatte ich zwei mit 5 und 9, die waren ähnlich drauf.
Schön, dass du so viel Spaß mit dem Kleinen hattest.
Hey!
Hab deine letzten Einträge gelesen und bin total “erstaunt”, wie du so lang so toll mit nem Kind durchgehalten hast. Weil ich selbst steh ja nicht wirklich auf Kinder und es wäre Horror für mich, ne ganze Woche mit nem Kind zu verbringen, die Launen auszuhalten, usw. Boah, nee. Umso cooler find ich’s, wie du das so durchgezogen hast. Und dass du noch so viel Spaß dabei hattest! Schön!
Übrigens: Schnaps aus Eierbechern hab ich mit meiner Freundin auch schon oft getrunken. *lol*
Bei mir waren’s keine Tiereierbecher, sondern Eierbecher mit Gesichtern drauf. *lach*
Schöne Woche dir,
lieben Gruß, sternenstaub
Danke, aber so richtig schwer ist es mir nicht gefallen. er ist jetzt auch nicht so ein totaler Rotzlöffel, der immer gegenanredet oder nur Blödsinn macht. Ich glaube er war einfach froh, dass jemand eine Woche lang nur für ihn da war, sein Kindermädchen ist darin eher nachlässig geworden.
Dir auch eine schöne Woche! Liebe Grüße
wie alt ist der kleine eigentlich?
er ist 8
[...] Avialle, “die kleine Aufschneiderin”, beschreibt das Babysitten aus Babysittersicht… und das mal nicht so schlecht… ob sie am Freitag abend noch Termine frei hat? Mehr dazu: Der Kleine & ich [...]