Da bin ich nun wieder, knapp 3 Jahre später. Erneut bei den Sandmännchen gelandet, habe ich meinen ersten richtigen Tag im Praktischen Jahr überstanden. Bisher bin ich recht zufrieden mit der Wahl meines Wahlfaches, der gute Ruf der Abteilung scheint gerechtfertigt.
Zwar hatte mein Tutor heute frei, aber er nannte mir einen Assistenten an den ich mich wenden sollte. In der Frühbesprechung saß dieser zwar nicht, aber eine Ärztin aus unseren Praktika sagte mir in welchen Saal ich musste. Dort fand ein größerer gefäßchirurgischer Eingriff statt, weshalb vier Leute in der Einleitung schon emsig beschäftigt waren, als ich dazu kam. Nur der Assistent stellte sich gleich nett vor, der OA und die Anästhesiepflege ignorierten mich. Wahrscheinlich waren sie zu beschäftigt, ich dachte mir nichts dabei.
Noch gar nicht ganz im Raum, sollte ich gleich maskenbeatmen und hätte auch intubieren können. Trotzdem ließ ich den Assi erstmal reinschauen. Er wollte mich dann den Tubus schieben lassen, aber ich sah eigentlich nichts und bevor ich am ersten Tag aus Übereifer herumstochere und man aufgrund der Schwellung dann gar nicht mehr intubieren kann, gab ich den Tubus zurück. Trotzdem fand ich cool, gleich soviel machen zu dürfen. Als Arterie, ZVK, Notfallzugänge und Blasenkatheter drin waren, entspannte sich die Lage etwas (die Chirurgen scharten im Saal schon ungeduldig mit den Hufen ^^).
So konnte der Assi sich erkundigen, was ich schon gemacht habe und wobei ich mich noch überfordert fühlen würde. Außerdem konnte ich mir aussuchen, ob er mir etwas erzählt oder Fragen stellt – ich entschied mich für die Fragevariante, ich hasse es wenn man mir stundenlang Dinge erzählt, die ich schon weiß. So besprachen wir alle Basics zu Narkose, die Lungenphysiologie und Beatmungsformen und auf meinen Wunsch alle Medis in der Schublade. Ich stellte auch viele Fragen, was ihm offenbar gefiel.
Einfach nur lächerlich war allerdings der Auftritt des Operateurs. Er meckerte die ganze OP lang herum, behandelte den 1. Assistenten (immerhin Oberarzt) wie einen dummen Jungen, den 2. Assistenten schob er mal direkt ins Abseits. Uns warf er vor nicht gescheit zu relaxieren und reden sollten wir gefälligst auch nicht, ihn störe das so sehr. Ein paar mal flippte er aus, bockte wie ein kleines Kind, trat vom Tisch ab und sagte immer wieder theatralisch “Ich kann so einfach nicht operieren, wir verlieren die Patientin noch!”. Vermeindlich sei er ja in diverse große Gefäße gerauscht (komisch, im Sauger kam gar kein Blut an...) und überhaupt sei alles sch**ße, was die anderen machen.
So richtig ernst nahm das alles aber keiner, man kennt das wohl schon. Ich fand es witzig, auch wenn mir der OA (den ich normalerweise arrogant finde) ziemlich leid tat. So viel Kohle könnte man mir gar nicht zahlen, damit ich mir das mehrmals pro Woche anhören muss. Wenn man Mist baut angeschrien werden – klar, muss man mit leben. Aber dieses nervige Gemeckere die ganze Zeit… ich bin soooo froh dort nicht mein Chirurgietertial zu absolvieren!^^

lese ich nicht zum ersten mal, dass die Athmosphäre im OP-Saal einzigartig ist und die Ärzte “bockig” sind
Dieser Typ hat eine ganz andere Dimension, “bockig” ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Ich habe nie erlebt, dass jemand pausenlos rummeckert, obwohl NICHTS los ist… Nach 6 Stunden bin ich heim, aber das ging sicher noch eine Weile so weiter
Wir haben hier so einen, der ungefragt jedem erzählt, dass er nie frühstückt oder zu Mittag isst, weil er zu viel arbeitet, und was er heute wieder für Unmengen an Kunden akquiriert hat und… Äh… hat jetzt augenscheinlich nicht so viel mit deinem Beitrag zu tun, aber fällt ja irgendwie auch in die Kategorie “Manche Leute hören sich anscheinend selbst nicht zu.”
Musste ich jedenfalls gerade dran denken.
Ehm… wolltest du nicht in die Chirurgie?
Denn solche Leute findest du fast überall.
Ja, ich will in die Chirurgie, war ja schon häufig in verschiedenen chirurgischen Abteilungen, aber der Typ ist “was besonderes” – sowas gibt es nicht fast überall, sondern eher an Unikliniken, und da will ich sicher nicht hin!^^
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich will dir da deine Hoffnungen nicht nehmen, aber meiner Erfahrung nach (und auch ich war mal in der Chirurgie) hats solche Leute wirklich ÜBERALL.
In verschiedenen Abstufungen und verschiedenen Malignitätsgraden. Aber GEBEN tuts die. Überall.
Was glaubst du wohl, warum ich zurück zu Plan A bin?
Im grossen und ganzen klingt das ja ganz vielversrprechend! Wünsche, das du da eine schöne Zeit hast.
Danke! Ich denke das Wahlfach ist eine gute Entscheidung, bisher war wirklich niemand dabei, der nicht total nett und locker drauf war.
Hihi, vielleicht sind sie ja selbst ihre besten Kunden, die kennen sich ja damit aus…
Tja, so sinds, die Gasmänner….
Und weil die so sind, drücken sich die Miesepeter (die es gibt) erfolgreich und problemlos um “Anfänger” und/oder “Pjler”
Ist auch besser so.
Ich war ein halbes Jahr in der Anästhesie und mir hat’s gar nicht gefallen. Durfte auch schon intubieren und so.
Aber irgendwie ist das gar nicht meins. Wenn man mit dem Patienten net wirklich was anfangen kann. Ich will mit nem Patienten kommunizieren, für ihn so “richtig” da sein. Und in der Anästhesie liegt er einfach nur vor einem da. Verstehst du, was ich meine?!
Und wir hatten damals so nen blöden Anästhesisten. Der gleicht diesem blöden Arzt, von dem du geschrieben hast. Der war sowas von unfreundlich zum Personal und auch zu den armen Patienten. Den werd ich nie vergessen.
Wünsch dir aber ganz viel Spaß in der Anästhesie und dass du da viel lernst!!
Lieben Gruß, sternenstaub
Sag mal machst du in meinem Haus PJ?
Irgendwie hab ich das Gefühl diesen Chirurgen zu kennen…
Gefässchirurgen scheinen irgendwie alle dem gleichen Genpool zu entstammen. Die Beschreibung passt exakt auf den GCH-Chef an meinem letzten Haus in Deutschland…
Ich wünsche Dir noch viel Spass in der Anästhesie, nimm soviel mit wie es geht…