Gestern war es nun endlich soweit: nach über 3 Wochen war ich zum ersten Mal wieder bei meinem richtigen Tutor in der Einleitung. In den Tagen davor hatte man ihn entweder in die Ambulanz gesteckt oder er war als Notarzt unterwegs. Meine Angst er würde sich nun gar nicht mehr für mich und meinen Lernfortschritt interessieren, war unbegründet. Nach der Frühbesprechung unterhielten wir uns ganz nett und die Dienstpläne für die kommenden Woche besitze ich nun ebenfalls. Ich werde demnächst viel herumkommen wie es scheint…^^
Gestern waren wir also zusammen in der Urologie und dort ist es nicht ungewöhnlich, dass der erste Punkt auf dem Plan ein kleines Kind ist. So kam ein ganz süßer 3jähriger zu uns in den Einleitung, ein bißchen schläfrig aber daher auch ruhig und entspannt. Die Viggo merkte der Kleine dank EMLA-Pflaster kein bißchen und ließ sich gut mit seinem Teddy ablenken. Natürlich legte mein Tutor selbige, da hätte ich mich auch wirklich nicht drum gerissen. Bei so kleinen Kindern liegen die Venen nämlich irgendwo im Babyspeck und so fürchterlich viele Versuche hat man da nicht.
Völlig problemlos begann dann die Einleitung und ich freute mich, auch mal beatmen zu dürfen. Dann drückte mir der Pfleger das Laryngoskop in die Hand. Alles klar, Kinder intubieren sei nicht so schwer, weil die Anatomie bei allen gleich ist – so hieß es zumindest im Unterricht. Das letzte Kind, welches ich intubieren durfte, war 8 Jahre alt und damit aus Anästhesiesicht eigentlich schon erwachsen.
Vorsichtig guckte ich also erstmal, aber der Kehlkopf ließ sich wirklich gut einstellen. Ich schob den Tubus (im Vergleich wirklich winzig das Teil!^^) vor und erinnerte mich an diese Enge unter den Stimmlippen, die bei Kindern vorhanden ist. Also schob ich den Tubus noch etwas vor, darin dürfe man sicher nicht blocken.
Ende vom Lied: erfolgreich intubiert – in den rechten Hauptbronchus. Es hätte ja so schön sein können, aber wir merkten schnell, dass nicht genug Luft in den kleinen Mann hineinging. Beim Abhören war es dann sehr sehr eindrucksvoll, das Atemgeräusch war rechts mehrfach lauter als links. Im Endeffekt ja überhauptkein Problem, der Tubus wird ein Stück zurückgezogen und schon funktioniert alles wie immer.
Trotzdem schaffe ich es immer bei meinem richtigen Tutor irgendwas nicht ganz perfekt zu machen, sodass ich nicht weiß wie sein Eindruck von mir ist. Ob er mit meinem Ersatztutor überhaupt Rücksprache hält? Jedenfalls durfte ich den nächste Patienten (älterer Mann) auch intubieren und dann das Narkoseprotokoll alleine führen.
Den verantwortliche Oberarzt kannte ich vorher noch nicht, stellte mich also brav vor und erfuhr, dass wir aus der selben Ecke Deutschlands kommen. Also gab es viel Gesprächsstoff, was ihn aber doch nicht davon abhielt mir unangenehme Fragen zu Medikamentendosierungen und Messwerten des Monitors zu stellen. Trotzdem war er extrem nett und versuchte mir wirklich etwas beizubringen (manche Oberärzte fragen nur, um zu zeigen, dass man keine Ahnung hat).
Der letzte Punkt auf dem OP-Plan wurde von den Operateuren einfach abgesetzt (natürlich ohne uns das zu sagen, wir erfuhren es von der OP-Pflege) und ich durfte mittags schon gehen. Mir passte das sehr gut, ich hatte akut das Bedürfnis zum Lehrbuch zu greifen.^^

Das erinnert mich an die 2. OP meines Sohnes, da war er 9 Monate alt. Eine harmlose Sache (Hydrocele, rezidiv) und er sollte nach ca. 45 min fertig sein. Wir haben über 2 Std nichts, aber auch GAR NICHTS gehört. Die schlimmste Zeit meines Lebens.
Es stellte sich heraus, dass er wohl das Muskelrelaxans nicht vertragen hat (Allergie?). Jedenfalls hat er es nicht abgebaut und so konnten sie ihn auch deutlich länger als geplant nicht extubieren.
Kennst Du sowas? Ich dachte, es gäbe dafür Antagonisten – aber so einfach scheint es ja nicht zu sein. (War übrigens keine Klitsche, sondern eine sehr renommierte Kinderklinik).
Ich habe keine Info darüber, um welches Relaxans es sich dabei gehandelt hat. Müsste ich sowas nicht eigentlich wissen, falls er nochmal operiert wird? Oder ist das nicht so dramatisch?
Ansonsten freue ich mich für Dich, dass es so gut gelaufen ist bei Dir! Welchen Einfluss hat der Tutor denn, falls er tatsächlich einen falschen Eindruck von Dir gewinnen würde?
Liebe Grüße!
Die “Allergie” auf Relaxanzien, die mir sofort einfällt, ist die maligne Hyperthermie, eine paradoxe Reaktion auf depolarisierende Relaxantien (z.B. Succinylcholin), wobei das gewollte “Zittern bis zur Abschaltung durch Erschöpfung” eben nicht aufhört.
Antagonist wäre Dantrolen, was eigentlich in jeder Krankenhausapotheke vorrätig zu sein hat.
War es das vielleicht?
Eher unwahrscheinlich – habe gelernt, dass man nur im äußersten Notfall Succi bei einem Säugling anwendet, auf KEINEN FALL bei einer Routine-OP. Ich weiß welche Klinik Nina meint, und das passiert da garantiert nicht. Vor allem wäre ihr Sohn dann erstmal ein paar Tage (wenn nicht Wochen) auf der Kinderintensivstation gelandet. Schon bei Erwachsenen ist das eine extrem ernste (aber Gott sei dank sehr sehr seltene) Komplikation, die Rhabdomyolyse überlebt nicht jeder. Dantrolen sehe ich da auch nicht als Antagonist, denn es hebt ja nicht die Wirkung auf und alles ist toll – es ist das Notfallmedikament, damit der Patient überhaupt eine Überlebenschance hat.
Es kann mal sein, dass ein Medikament deutlich langsamer abgebaut wird als bei den meisten Menschen (slow metabolizer). Eine Allergie im engeren Sinne hätte bedeutet, dass dein Sohn auf das Medikament reagiert hat wie ein Bienenallergiker auf einen Bienestich – mit Kreislaufproblemen, Bronchospasmen (dann geht auch mit Tubus nicht genug Luft rein), Hautausschlag, etc. wie du es schreibst, klingt es aber eher nicht so.
Ob er nun sehr langsam abbaut oder der Anästhesist vielleicht etwas zu großzügig/zu spät mit dem Relaxans war (meistens bei jungen Anästhesisten auf Druck des Operateurs), das Ergebnis ist das selbe: man kann nicht extubieren und muss nachbeatmen. Das ist am sichersten, es gibt für einige der Relaxazien Antagonisten, aber generell ist es in Deutschland sehr unüblich, diese einzusetzen. Gefährlich zum Beispiel beim Antagonisieren von Opioiden und Benzos ist die deutliche kürzere Halbwertszeit des Antagonisten – oder auf Deutsch: du gibst das Gegenmittel, alles ist toll und du extubierst, deinem Patienten geht es auch im Aufwachraum super, und plötzlich hört das Gegenmittel auf zu wirken, das Mittel (!) wirkt aber noch. Dann hört dein Patient plötzlich wieder auf zu atmen, was auf der Normalpflegestation schon mal ein bißchen zu lange unbemerkt bleiben kann.
Also haben die alles richtig gemacht – und Infos habt ihr nicht erhalten, weil der Anästhesist eben bei deinem Sohn war, der Operateur wohl schon lange aus dem Saal (seine Arbeit war ja getan) und woanders tätig – die bekommen von prolongierten Ausleitungen oft nichts mit.
Hat dein Sohn denn keinen Narkoseausweis bekommen? Da würde man sowas vermerken und ggfs ein anderes, kurzwirksames Relaxans verwenden. Am besten sagst du es bei der Aufklärung, falls dein Sohn nochmal operiert wird – was ich natürlich nicht hoffe.
Mein Tutor schreibt mir am Ende eine Bewertung und ich ihm auch eine. Interessieren tut das keinen, aber generell möchte man ja einen guten Eindruck hinterlassen – ich werde da ja auch mündlich geprüft.
Also ich hab ja so nen EMLA-Plaster mal ausprobiert… das hat bei mir irgendwie gar nicht gewirkt. Vielleicht wars abgelaufen^^
Die müsen mehrere Stunden einwirken – wichtig für dich: Vergessen und kurz vorm Losfahren auf Station noch schnell hingeklebt geht gar nicht! Dann denkt der Anästhesist die Stelle sei gut betäubt (ist ja ein weißer Fleck, auch wenns nur 30 Min geklebt hat) und quält unter Umständen das Kind. Lieber weglassen, zugeben dass es vergessen wurde und dann wird eben inhalativ eingeleitet – auch kein Problem.
Bei uns wirkt das immer eine Stunde ein, dann hilft es auch
. Ich hab´s selber mal ausprobiert, dann abgemacht und mein Kollege konnte ob plötzlicher Aufnahme erst 2 Stunden später pieksen. Da hat´s immer noch gewirkt
.
Seit dem bin ich deutlich überzeugter von der ganzen Sache
Super, 1000 Dank! Ich habe den genauen Wortlaut nicht mehr im Kopf – war viel zu aufgeregt! – , aber es war irgendwas in Richtung “er hätte es nicht vertragen”. Wobei sie vermutlich auch in so einer Situation nicht unbedingt zugegeben hätten, falls sie überdosiert haben.. Was ich aber auch nicht so schlimm finde, solange es folgenlos geblieben ist.
Und der Operateur war ganz sicher schon durch die Tür. Aufgrund einer privaten Zusatzversicherung kamen wir nämlich in den Genuss von Prof. Dr. Dr. Dr., der sich normalerweise mit solchen Banalitäten gar nicht abgibt, sondern europaweit einen Ruf für komplexe OPs im unteren Bauchraum genießt. Entsprechend ist natürlich auch das Ego, ist klar.
Einen Narkoseausweis haben wir nicht bekommen. War auch gerade froh, den Endorkarditisausweis los zu sein
)
Wäre es denn sinnvoll, sich jetzt nach über 3 Jahren noch danach zu erkundigen, falls solch ein Gespräch mal schnell gehen muss? Oder reicht die Info, dass er das Relaxans langsam abgebaut hat?
Das mit dem guten Eindruck kann ich verstehen. Aber nach allem, was man hier liest,machst Du Deine Sache doch super. Dass nicht immer alles 100% klappt, ist doch überall und in jedem etwas komplexeren Beruf so. Und auch erfahreneren Ärzten gelingt doch sicher auch nicht immer alls perfekt, dafür ist Euer Aufgabengebiet einfach zu wenig standardisiert.
Ist auch wirklich nicht schlimm, bringt nur den Ablauf im OP durcheinander, aber ich kann mir bei so einem Prof. Dr. Dr…. schon vorstellen, dass er das Kind gerne bei der Hautnaht noch vollrelaxiert hätte – wir haben hier auch so Leute!^^
Wenn vorher schon klar war, dass die OP nur 45 Minuten dauert, ist bestimmt Mivacurium (Mivacron mit Handelsnamen) verwendet worden, das kurzwirksamste der nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien. Und wenn das bei ihm länger wirkt, bleibt bei weiteren kurzen Eingriffen eigentlich keine andere Wahl.
Der Ausweis ist nicht so wahnsinnig wichtig, sofern er keine richtigen Allergien gegen Narkosemedis, Muskelerkrankungen, Fehlbildungen im Mund-/Rachen-/Halsraum hat oder sonst irgendwas hat, was dem Notarzt schon Probleme machen könnte. Im Notfall ist eine längere Relaxanzwirkung wohl eher ein sekundäres Problem. Also keine Sorge!
Und ich musste feststellen, dass man manchmal gerade bei Kleinigkeiten mit einem erfahrenen Oberarzt oder gutem Facharzt besser beraten ist, als mit dem Oberchef, der sonst nur riesen Tumorchirurgie macht. Darum bin ich zum Beispiel auch nicht privat versichert – hab nichts chronisches und im Notfall/bei großen Geschichten macht es eh jemand, der es kann
Prima, ganz ganz lieben herzlichen Dank!
Da habe ich letztens schon drüber nachgedacht: wie ist das eigentlich, nimmt im KH – grundsätzlich – mit der Hierarchie auch die Kompetenz zu oder wonach wird befördert? Seniorität, wie bei uns?
Wenn ich Josephines posts lese, habe ich schon das Gefühl, dass die jeweils höhere Instanz auch mehr Kompetenz hat, und meine Freundin von der häma-onko-Front ist auch hin und weg vom obersten Chef. Andererseits habe ich auch genau das schon gehört, dass die, die ständig im OP stehen, die größere Routine haben als der shining-and-dining-Chef.
Genau aus diesem Grunde hatte ich bei der letzten sectio, die hier an der Uni-Frauenklinik gemacht wurde, auch bei der Anmeldung die Zusatzversicherungsleistung “Chef” nicht an die große Glocke gehängt, mir war nur das Zimmer wichtig. Darüber plauderte ich dann mit der übrigens supernetten OP-Schwester, nachdem ich sie gefragt hatte, wer operiert (Antwort: Oberärztin soundso). Da meinte sie, das kann durchaus anderswo so sein, aber “von unserem Chef würde ich mir ALLES operieren lassen, so einen gibt es kein zweites Mal!!”. MIST!! Immerhin war es ja eine re-re-sectio und die kann ja schonmal so manche Überraschung bergen.. Umso größer war dann die Freude, als die Tür aufschwang und doch der Chef in persona durch die Tür eilte
(Eine Gynäkologin, der ich die Geschichte hinterher mal erzählt hatte, meinte dann, Prof. G. sei auch eine echte Koryphäe, den würde jeder Student kennen, der sich mit Gyn beschäftigt hätte.)
Wie ist das bei Euch?
Das kommt immer darauf an: an den Unikliniken muss der Chef schon etwas können, da würde es nicht toleriert werden, wenn er z.B. nur forscht, aber null operieren kann. Unser Gynchef ist ein Gott der Tumorchirurgie, von dem würde ich mir auch jederzeit im Unterbauch rumschnippeln lassen. Für den Chef unser Augenklinik gilt dasselbe, auch bei der HNO – in den operativen Fächern hast du es an der Uni oft mit A****löchern zutun, die aber grandios operieren. Da sie dies aber auch an die Oberärzte weitergeben, wenn sie lange genug da sind, hätte ich da nicht unbedingt Bedenken. An kleineren Kliniken habe ich schon erlebt, dass man z.B. in der Anästhesie mit den Oberärzten besser beraten war als mit dem Chef. Und dann gibt es Klitschen, da kann vom Chef bis zum Jungassistenten keiner leitliniengetreu operieren, weil der Chef keinen Bock hat etwas neues zu lernen und so die Assis auch alles wie vor 20 Jahren lernen.
Immer und überall hast du ein paar Flaschen dabei, die sich irgendwie für das falsche Fach (oder den falschen Beruf -.-) entschieden haben. An großen Kliniken der Maximalversorgung und Unikliniken halten die sich meist nicht so lange wie an peripheren Häusern (wo aufgrund des Ärztemangels schon viel passieren muss bevor jemand rausfliegt).
Am Ende kann man als Laie einfach nicht vorher sagen, ob der Arzt nun der beste im Hause ist – aber niemand wird jemanden etwas operieren/behandeln lassen, was seine Fähigkeit übersteigt – allein der schlechten publicity wegen, wenn etwas schief geht
Bei uns würde ich mich in der Gyn von allen, in der HNO von dem Chef und einem bestimmten OA, in der Viszeralchirurgie von allen OÄ und dem Chef (muss ja nicht mit ihm reden^^), in der Augenklinik auch von allen Operateuren, in der Unfallchirurgie vom Chef und fast allen OÄ, in der Ortho von zwei OÄ operieren lassen. Was Neurochirurgie angeht käme es auf die Erkrankung an, bei einigen Sachen sind alle dort “nicht die beste Wahl”, einen Hirntumor würde ich mir aber jederzeit von meiner Betreuerin und dem ltd. OA bzw. dem Chef entfernen lassen. Mein Kind würde ich nicht in unsere Kinderchirurgie lassen, aber unserem Kinderanästhesisten jederzeit anvertrauen. Von unserer Urologie weiß ich nicht viel, aber bisher habe ich noch nichts negatives gehört.