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Archiv für April 2011

Dank der Studientage konnte ich mir an Ostern den Donnerstag davor und den Dienstag danach ebenfalls frei nehmen, sodass ich schon am Mittwoch Nachmittag in Richtung Norden startete. Mit der Mitfahrgelegenheit hatte ich wie immer Glück, ein netter junger Industriekaufmann mit dualem Studium nahm mich und eine angehende Medizinstudentin aus Afrika mit.

Am frühen Abend angekommen, war meine Beste gar nicht daheim (verabredet zum Essen mit Arbeitskollegen), also schmiss ich mich erst einmal gleich in die Laufklamotten und drehte meine Runde im schönen Park direkt vor der Haustür. Meine Beste wohnt nämlich mitten in der Stadt in einem Schickimicki-Viertel. ^^ Später trudelte sie auch ein und wir hatten natürlich Gesprächsstoff für die ganze Nacht – entschieden aber doch irgendwann schlafen zu gehen, denn bei dem tollen Wetter wollten wir auch etwas davon haben. Außerdem musste sie am Donnerstag noch arbeiten, also legte ich mich allein mit dem Lehrbuch bewaffnet in den Park und holte mir trotz Sonnencreme einen leichten Sonnenbrand. Schließlich lag ich auch etwa 5 Stunden dort, aber es war einfach so schön und vor allem noch so leer.^^

Am Karfreitag besuchten wir den Botanischen Garten, gingen Eis essen und abends in ein Steakrestaurant. Außerdem besuchten wir eine Show im Planetarium, die allerdings eher eine Enttäuschung war (wir wollten in eine andere Vorstellung, die aber schon restlos ausverkauft war). Am Samstag war der große Einkauf für das Osterbrunch am Sonntag geplant, jedoch mussten sich meine Beste und ihr Freund erstmal stundenlang über den Weg zu den Supermärkten zoffen, bevor wir dann endlich losfahren konnten. Wieder zurück war es schon so spät und windig, dass es trotz Sonne recht kalt war auf der Wiese im Park. Zum Osterfeuer kamen wir fast zu spät, da wir vorher bei der Runde mit dem Hund kleine mutterlose Entenküken gefunden hatten. Die Strecke sei typisch für Hunde und es gibt jede Menge Füchse, also konnten wir die Kleinen nicht dort lassen. Wir wollten uns entfernen, um zu sehen, ob die Mutter nicht eventuell doch wiederkäme – aber die Küken rasten förmlich einen Nachbarsjungen hinterher, sie wollten einfach nicht alleine irgendwo sitzen bleiben.

So blieb uns nichts anderes übrig, als die Küken in unseren Hundkorb einzupacken und zum Tierschutzverein zu fahren. Dort wurden sie ganz lieb von zwei Tierpflegerinnen entgegegenommen, die uns noch viel erklärten, andere Tierbabys wie Eichhörnchen und kleine Katzen zeigten und uns versicherten, man könne die Küken langsam wieder auswildern, wenn sie groß seien. Dafür gäbe es verschiedene Gehege, wo der menschliche Kontakt immer geringer werde. Und nun wissen wir auch an wen wir uns wenden, falls einer von uns mal ein Haustier sucht.^^ Das Osterfeuer war zwar schon geschrumpft, brannte aber noch als wir kamen – zumindest genug für eine Bratwurst und ein paar Bierchen.

Den Sonntag verbrachten wir wie erwähnt mit unserem Brunch – es ging insgesamt bis 16 Uhr, immerhin gab es auch von Brötchen über Pfannkuchen, Croissants, Tomate mit Morzarella, Müsli, Obstsalat und Quark bis zu Eis und Schokoladeneiern alles, was das Herz des Fastenden an Ostern begehrt. Mit den meisten der Gäste fuhren wir dann noch an einen Badesee, liehen auf dem Rückweg eine DVD und machten einen gemütlichen Filmabend bei Pizza (ich hatte keine – war noch satt, bin lieber nochmal laufen gewesen^^).

Am Montag fuhren wir zunächst in einen wundervollen Park mit einem Schmetterlingshaus und diversen exotischen Reptilien. Dort gab es die beste Torte, die ich jemals gegessen habe (und das heisst was – ich kenne zwei Cafés mit wirklich unglaublichen Torten!). Auch hier durfte man sich auf schönen Wiesen in der Grünanlage auf einer Decke entspannen, die Füße hielten wir in einen kleinen Bach, der quer durch den Park floss.

Danach ging es zum Haus ihres Freundes, der einen großen Garten besitzt – quasi perfekt zum Grillen.^^ Selbiges taten wir, undzwar nicht nur fleisch, sonder hauptsächlich mit Reta gefüllte Pilze, Paprika und Tomaten. Natürlich alles selber zubereitet, bis hin zum Salatdressing. Mit mehreren macht kochen und vorbereiten so richtig Spaß und super geschmeckt hat es auch. Nach einem weiteren Film war es schon Nacht, ich konnte kaum erwarten ins Bett zu kommen, denn es war doch alles recht anstrengend und mit Schlafentzug verbunden.

Tja, und heute ging schon mittags mein Zug zurück. Ab morgen wieder Klinikalltag, Haken halten – und am schlimmsten: das ganze eine halbe Stunde früher, denn ab morgen bin ich in der Unfallchirurgie. Drückt mir die Daumen, dass es nicht gleich am ersten Tag so anstrengend wird (ich mag keine Röntgenschürzen!!!-.-)…

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…kommt es mir wieder einmal vor, wenn wir im PJ-Unterricht sitzen und notgedrungen auch mit einer anderen Gruppe PJlern konfrontiert sind.
Alles fing harmlos in der ersten Woche an, denn von besagten Kollegen hatten einige schon das vorherige Tertial in diesem Haus absolviert. Anstatt uns aber etwas zu zeigen und den Ablauf zu erklären, mussten sie sich mit verschränkten Armen ganz cool hinstellen und sich alles aus der Nase ziehen lassen.
Dass wir ihr Blut auf unserer Station mit abnahmen, fanden Sie zwar nett, trotzdem nutzen Sie jede Gelegenheit zu lästern oder uns Infos vorzuenthalten. Ich kenne diese komischen Mädels aus dem ersten Tertial, darum wundert mich nichts. Alle anderen Pjler von meiner Station regen sich auf, denn es wäre eben schön ein nettes kollegiales Miteinander zu haben, anstatt ständig nur gegeneinander zu arbeiten.
Können die aber nicht. Die Mädels haben eine Nullbock-Einstellung, wollen aber keinesfalls, dass die Ärzte etwas davon mitbekommen. Die Typen sind so gaaanz schlaue, die es nicht leiden können, wenn jemand anders etwas organisiert und so den Oberen auffällt. So werfen sie mit ihrem Essen aggressiv auf dem Tablett herum, setzen sich beim Frühstück an den Nebentisch und labern lautstark oder werfen uns böse Blicke zu. Kindergarten halt.

So sitzen wir nun beim Essen an unterschiedlichen Tischen und reden nur das Nötigste miteinander – eigentlich echt schade, aber mir ist das mittlerweile wirklich egal. Nach fast einem Jahr PJ macht man irgendwie sein eigenes Ding, will sich auf das Hammerexamen vorbereiten und weiß ja genau, dass man in genau 8 Wochen nichts mehr mit diesen Menschen zutun haben wird. Meiner Meinung nach muss man auch nicht mit jedem best friend werden, der zufällig durch ein Losverfahren im selben Lehrkrankenhaus landet wie man selbst.

Hauptsache meine Gruppe ist toll, denn mit denen muss ich mich ja was Studientage und ähnliches angeht einigen. Ich mache mir erstmal ein schönes langes Wochenende bei meiner besten Freundin in der Großen Stadt und wenn ich wieder da bin, sind wir eh schon in der Unfallchirurgie. Da heute trotz vollem OP-Programm kein PJler auf dem Plan stand, werden die uns in der Allgemeinchirurgie wohl auch nicht sonderlich vermissen…^^

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Oh my gosh!!!

Letzte Woche ist etwas merkwürdiges passiert. Morgens als ich auf die Besprechung wartete und der leitendes OA hereinkam, hätte ich es schon merken müssen. Er setzte sich, erzählte von einem Patienten (kannte ich nicht, weil a) Not-OP am Abend, war nicht dabei und b) ich war sonst nur im OP und kaum auf Station) und dass er wegen tumorösem Zufallsbefung im Resektat noch einmal nachoperiert werden müsse.

Dann passierte es: er fragte mich ab! Ernsthaft. Wollte wissen, ob der Ersteingriff reicht, warum nicht und was man jetzt stattdessen für eine Zweit-OP durchführen wird. Ganz nett, aber selbst da dachte ich mir noch rein gar nichts dabei – kleiner Anfall von “Wir sind ein Lehrkrankenhaus” oder sowas.
Der Knaller kam auf Station, als wir die Oberarztvisite mitlaufen wollten. Unser Stationsoberarzt (lustig wie immer), meinte plötzlich ebenfalls uns etwas erklären zu müssen. Und auch er fragte uns ab. Der Assistent war gleichzeitig verwundert und genervt, die Oberschwester grinste nur – und versicherte dem OA auf seine Nachfrage, dass das “so genau richtig!” sei. So dauerte das Besprechen, Abfragen und mein Nachfragen insgesamt etwa doppelt so lang wie die ganze Visite.

Hinterher sortierten wir unsere Blutröhrchen, als der OA uns nachmal ansprach –  ”Mädels 13 Uhr ist das Ziel für heute!” Außerdem fragte er nochmal, welche von uns Viszeralchirurgie machen wollte (das hat den vorher null interessiert, was wir machen wollen) und meinte, so ein kleines Haus sei ja genau richtig für den Einstieg. Er habe auch an unserer Uni studiert und in dem selben Haus PJ gemacht.

Alles sehr lustig und nett, nur leider wäre eine Bewerbung in dem Haus trotzdem das letzte, was mir derzeit einfällt. Wir freuten uns natürlich, bedankten uns bei der Oberschwester – aber sind noch nicht davon überzeugt, dass diese neue Motivation unserer Oberen auch von Dauer ist.

Im OP wurde mir das Ausmaß der ganze Sache erst richtig bewusst. Bei dem zweiten Eingriff sollte ich mitmachen, ein größerer Darmeingriff – mal wieder bei der Oberärztin. Klappt nicht so gut mit aus dem Weg gehen” aber naja… ich stellte mich auf 3 Stunden unbequemes Stehen, ignoriert werden und Haken halten ein. So begann die Geschichte auch, aber zum Glück hatte ich eine total nette OP-Schwester, mit der ich mich dann demonstrativ privat unterhielt bzw. mich in das Gespräch zwischen ihr und der OÄ einmischte. Außerdem machte ich dem Assi mal nonverbal gleich klar, dass ich nicht bescheuert bin (merke: glibschiger Darm lässt sich besser mit einem Bauchtuch und den Händen weghalten als mit einem ebenso glibschigem Haken!^^).

Für klare Verhältnisse gesorgt, war ich eigentlich auch ziemlich gut gelaunt, als die OÄ plötzlich meinte ich solle die Ligatur (Faden zum Zuknoten großerer Gefäße, die sich mit Strom/ Ultraschallmesser nicht sicher verschließen lassen) knoten.

Ich hatte ja den Facharzt am Vortag ganz dreist darum gebeten, als sie dabei war – an dem Teil Darm, der eh herausgenommen wird. Da schien sie nicht gerade beeindruckt. Aber jetzt ließ diese komische Frau mich wichtige Knoten im Patienten machen! Zugegeben: DAS hatte ich vorher noch nicht gedurft. Jetzt kann ich also auf einen Schlag nicht mehr behaupten, ich hätte dort nichts neues gelernt.
Es waren am Ende nur zwei Ligaturen und die getackerte Hautnaht, aber immer ein Anfang. Um 13: 30 Uhr konnte ich dann noch schnell essen, sodass ich um 14 Uhr daheim war. Eine Stunde “am Ziel vorbei”, dafür gut gelaunt und voller Hoffnung für die letzten 3 Tage in der Allgemeinchirurgie. ^^

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