Lange schiebe ich nun diesen Beitrag schon vor mir her, weil er wahrscheinlich etwas länger werden wird und ich mir auch am Anfang gar nicht so sicher war, ob sich nicht innerhalb von Wochen sowieso wieder alles ändert. Es geht um meine Zukunft, genauer gesagt, um das, was ich nach dem Examen nun wirklich machen will.
Der aufmerksame Leser hat sicherlich bemerkt, dass es mir im ersten Tertial in der Anästhesie sehr gut gefallen hat. Natürlich wusste ich vorher, dass die Leute dort nett sind und sich viel Mühe geben den PJler etwas beizubringen. Außerdem sind sie es gewohnt, Leute dort zu haben, die Innere oder Chirurgie machen wollen und eben einfach „irgendein sinnvolles Wahlfach“ brauchen. Durch den guten Eindruck, den die Abteilung schon im Blockpraktikum macht, und den generellen Ruf der Anästhesisten als lockere, nette Kollegen hatte ich daher auch Lust auf das erste Tertial. Vieles war ja eh neu und aufregend – endlich „arbeiten“ und das Gelernte anwenden können.
In den vier Monaten haben mich natürlich viele Leute bequatschen wollen, doch Anästhesie zu machen, mich dort im Haus zu bewerben, mir das genau zu überlegen. Ich habe stets betont, Chirurgie machen zu wollen. Keinesfalls wollte ich mir da reinreden lassen und an die Uniklinik wollte ich sowieso schon mal gar nicht! Professoren sollen andere werden!
Trotzdem überlegte ich natürlich doch heimlich, denn ich bin fast jeden Tag mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen. Im Gegensatz zu den anderen PJlern liebte ich die Intensivstation, hatte nie das Gefühl von Hilflosigkeit oder „überfordert sein“ und mochte so gut wie jeden in der Abteilung – ob Ärzte oder Pflegepersonal.
Im Inneretertial lernte ich die positiven Seiten der Inneren Medizin kenne (interessante, seltene Krankheiten, viele Notfälle und komplexe Zusammenhänge), aber auch die negativen. Patienten liegen monatelang auf der Station, bekommen täglich Blut abgenommen ohne wirkliche Konsequenz, man schreibt 6 Seiten lange Arztbriefe, die niemand liest, und am Ende macht man nur Schadensbegrenzung. So viele alte, multimorbide Patienten, die man doch nicht wieder fit bekommt, womöglich nur ihr Leid verlängert – nein, das ist definitiv nichts für mich. Dort habe ich aber auch gemerkt, wie sehr mich die eigentlich Stationsarbeit nervt – jeder Mist muss dokumentiert werden, man verbringt mehr Zeit mit den Arztbriefen als mit dem eigentlichen Patienten. Richtig toll fand ich es lediglich auf der Intensivstation, wo ich ja insgesamt drei Wochen verbrachte.
Diese Erfahrung gab mir natürlich weiter zu denken: in der Chirurgie hat man auch die ganze Stationsarbeit und muss sie nebenbei bewältigen, neben OP und Ambulanz. Viel Stress, wenig Freizeit. Aber die OPs entschädigen für vieles, denn nichts macht mir mehr Spaß als operieren.
Dachte ich zumindest bisher. Es mag daran liegen, dass das dritte Tertial eben nicht sonderlich toll ist. Was wiederum seinen Ursprung in der Masse an PJlern bei diesem kleinen Krankenhaus hat. Aber andererseits sehe ich täglich, dass ich an einem Haus, welches nicht mindestens Maximalversorger ist, gar nicht arbeiten möchte. Das OP-Spektrum ist klein, die Ärzte sind zum Teil „herumgereicht“ von anderen Kliniken und der deutschen Sprache nur bedingt mächtig. Und wer denkt, an den kleinen Häusern dürfe man ja ach so viel: Pustekuchen! Als PJlerin ja eh nicht, aber auch die Jungassistenten dürfen fast nichts – abgesehen von der unbeliebten Stationsarbeit. Der Assistent im ersten Jahr hat noch nicht einmal einen Blinddarm oder andere Anfänger-OPs selbst durchgeführt. Es ist zwar auch nicht gerade „Billroths Erbe“, aber wie auch – er hat sein gesamtes PJ an dieser Klinik absolviert!
Jedenfalls stelle ich mittlerweile fest: mir macht selbst das Operieren nicht mehr so viel Spaß wie früher. Und zu glauben, dass es irgendwo so sein wird, wie in der Klinik, in der ich im Studium gearbeitet habe, ist utopisch. Ich bin einfach zu ungeduldig, um die ersten zwei Jahre nur in der Ambulanz und auf Station zu hocken, meine gesamte Freizeit dafür aufzuopfern, nur um irgendwann in 6 Jahren mal selber operieren zu dürfen. Dann am liebsten nachts um 3 Uhr, einen multimorbiden 100jährigen Patienten, dem wörtlich „die Scheiße im Bauch schwimmt“, weil mein Chef da gerade mal keine Lust drauf hat. Man denkt immer, man müsse durchhalten und bald werde alles besser, aber ich kenne zu viele Altassistenten, zu viele Funktionsoberärztinnen und Oberärztinnen, ja selbst als Chef hat man eigentlich nur Stress und Probleme. Das alles reizt mich nach gut einem Jahr arbeiten weniger als vorher.
Ich möchte meine Freizeit haben, meinen Sport machen, meine Familie und Freunde von Zeit zu Zeit sehen, überhaupt Freunde haben und das auch außerhalb der Klinik. Eben arbeiten umzu leben und nicht leben umzu arbeiten. Mir ist das inzwischen wichtiger, ich möchte gerne Kinder haben und auch ohne festen Partner, tue ich mich schwer, dies von vorneherein zu verbauen. Außerdem möchte ich auf jeden Fall die Zusatzbezeichnung spezielle Intensivmedizin haben und in dem Bereich arbeiten – das geht von Seiten der Anästhesie deutlich besser. Ich dachte immer mir sei das zu kompliziert, die vielen Medikamente und Geräte, aber mittlerweile fasziniert es mich. Die vielen Bereiche, das über den Tellerrand gucken, all das reizt mich sehr. Auch wenn einige Oberärzte sagen, Narkose sei nach 20 Jahren langweilig – man kann wenigstens in einen anderen Bereich oder arbeitet nur noch halbtags. Besonders die Kinderanästhesie könnte ich mir gut vorstellen.
Das Fazit also: ich habe mich nun erstmal an meiner Uniklinik in der Anästhesie beworben und einen Termin für das Bewerbungsgespräch habe ich auch schon. Falls sie mich mangels Doktorarbeit bei ihnen oder ohne Rettungsdiensterfahrung nicht einstellen (es bewerben sich viele Kommilitonen von mir, die da mehr zu bieten haben), gehen die nächsten Bewerbungen in meine Wunschstädte. Vielleicht auch in der Chirurgie, dann mache ich das ganze einfach von Glück und Schicksal ab.
Aber stellt euch schon mal darauf ein, dass auf der kleinen Aufschneiderin vielleicht doch bald eine kleine Narkotiseuse wird!^^

Viel Erfolg auf deinem Weg!
Dankeschön!
Egal, wo es Dich hinverschlägt: ich drücke für die Bewerbungen alle Daumen!
Danke, kann ich immer gebrauchen!
Viel Erfolg, und Schnorchelmedizin ist sicher auf Dauer die bessere Wahl, wollte ich dir schon seit Jahren sagen …
Haben mir ja auch schon viele gesagt. Aber in der Famulatur konnte ich es mir auf für Dauer nicht vorstellen. War aber auch ein sehr enges Spektrum an einem kleineren Haus ohne Studenten und ohne dass ich auf der ITS war. Im PJ hatte ich da schon einen realistischeren Einblick.
Ich kenne zwei Anästhesistinnen, beide mögen ihre Arbeit (und das seit vielen Jahren), beide können Familie (und Tiere natürlich.-) damit in Einklang bringen. Und “vom Tisch aus” betrachtet sind die meist die Lockersten.
Mich reizt daran auch die Vielseitigkeit. Ich wurde dort ständig gefordert, gefragt u habe nachdenken müssen. In der Chirurgie macht man sich durch zuviel denken u hinterfragen eher unbeliebt, so ist jedenfalls meine Erfahrung. Wenn ich schon soviel lernen muss, will ich das auch benutzen können
yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes, yes!!!
Ich wusste es! Willkommen auf der hellen Seite der Macht! Freut mich wirklich!
Dachte ich mir, dass es dir gefällt. Und lass mich raten: ihr habt Bier!
Hei;
ich lese deinen blog echt gerne, da es mir sehr oft genauso geht wie dir

& ich muss sagen, ich weiß nach dem PJ eig. überhaupt nicht mehr was ich machen will, im Studium war ich fasziniert von der Chirurgie speziell der Herzchirurgie, aber die katastrophalen Arbeitszeiten- und bedingungen will ich auch nicht ertragen.
Am besten ist es wenn man einfach das macht was einem Spaß macht, wenn du jetzt Spaß an der Anästhesie und Intensivmedizin hast mach es, wenn dir in ein paar jahren die chirurgie wieder fehlt, na dann machst du halt wieder was chirurgisches und bis du dich auf einen Facharzt festlegen musst, dauerts ja eh noch ziemlich lang. Außerdem kann man auf einen Facharzt soviel anrechnen lassen, da muss man ja nicht die ganz zeit nur in diesem bereich arbeiten!!
Also mach das was dir gefällt, und schau ja drauf, dass du genug zeit für familie und freunde, denn ohne soziale kontakte und hobbys macht dich selbst der absolute traumjob nicht glücklich!!
Das ist mir im PJ erst so wirklich bewusst geworden
So also viel Glück und schreib schön weiter!
Alles Liebe
Ina (die ebenfalls unentschiedene PJlerin)
Du sprichst mir echt aus der Seele. Mein Tutor meinte auch, ich könne mich nach 2 Jahren noch immer umentscheiden. Außerdem hatte ich vor dieser Entscheidung ein totales Tief – ich wollte gar nichts mehr machen, gar nicht mehr Ärztin sein. Ich dachte sowas wie “hätte ich bloß Geschichte u Journalistik studiert oder die OTA Ausbildung gemacht!” Im Grunde bereue ich nichts, aber es ist zu viel Arbeit im Studium, um den Rest des Lebens auch nur zu arbeiten und dabei noch unglücklich zu sein. Wir gehen unseren weg so oder so, meistens mag man eh, was man gerade macht, wenn das Team stimmt und man sich nicht völlig überfordert fühlt.
Im Moment zählt eh erst einmal das Examen einigermaßen annehmbar zu bestehen und dann fahr ich erstmal in den Urlaub
Arzt ist so ein schöner beruf und wir haben uns jetzt schon durchs studium gequält (mehr oder weniger), der wird sich jetzt wohl auch noch der passende facharzt finden 
Passt auch jetzt ganz gut
Meine Mama hat immer zu mir gesagt, es ist egal was du machst, hauptsache es ist legal und macht dir Spaß
Toi, toi, toi für das Bewerbungsgespräch. *virtuell über die Schulter spuck* – Ich drück’ dir die Daumen ganz fest.
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Viele herzliche Grüße
Andrea
P.S. Alles hat seine Vor- und Nachteile – auch das Studium der Geschichte (ich schreib’ aus eigener Erfahrung) – im Augenblick hab’ ich auch gerade so eine Phase, in der ich mich frag: “Wozu mach’ ich das alles überhaupt?”, doch dann denk’ ich mir: “Jetzt hab’ ich’s bis hierher geschafft, jetzt werd’ ich den Rest des Studiums und den Abschluss auch noch schaffen.” *klopf auf holz* *motivation rüberschick*
Na endlich
Freue mich sehr, dass Du die Entscheidung gefällt hast, denn nach allem, was ich von Dir weiss, scheint es wirklich die richtige zu sein.
Sehr schmunzeln musste ich über die Äußerung der OÄ, es würde nach 20 Jahren langweilig… na, wenn es 19 Jahre spannend ist, hat der Job schon verdammt viel mehr zu bieten als die meisten anderen Jobs auf dem Markt
)
Kannst Du Dich nicht hier in der Nähe bewerben?, wenn es “dort” nichts wird? Hier gibts auch 2 Unis im Umkreis
Avialle, die kleine Gasfrau, auch seeehr nett
))
Hört, hört.
Ach, ich finde das total spannend, wie sich das so verschoben hat in der letzten Zeit. Es ist nicht einfach, von einem Traum Abstand zu nehmen. Aber Du hast ja Ersatz gefunden! Danke, dass Du uns so teilhaben lässt.
Ich drücke ganz fest die Daumen für die Stelle!
Les deinen Blog jetzt schon eine ganze Weile und sowohl dein Stil als auch deine Einstellung sind mehr sehr symphatisch. Deswegen freu ich mich dich über deine Entscheidung. Liegt wohl daran, dass mir die meisten Chirurgen früher oder später immer unsymphatisch wurden, dabei hab ich sowohl privat als auch beruflich einige kennengelernt. (Ist meine persönliche Erfahrung und soll auch keine Verallgemeinerung sein) Deswegen freu ich mich, dass du dich für die Anästhesie verschrieben hast, die waren nämlich fast durchweg nett und kompetent.
Hey!! Schön zu hören! Ich weiss wie das ist völlig unentschlossen zu sein. Ok ich komme jetzt dann ins 4. Jahr und doch fragen mich ständig die Leute “Was wirst du den?” und ich kann nicht antworten. Die Eindrücke von allen Fachrichtungen sind momentan zu heftig
Drück dir ganz fest die Daumen, dass es mit der Bewerbung klappt! LG!! Momo
Gute Wahl
Und man ist ja auch nicht sofort auf immer auf ein Fach festgelegt… Das Fach wechseln geh immer, hab ich auch schon gemacht (und nie bereut).
Viel Erfolg auf jeden Fall!!!
Hey,
du musst das doch nicht dein Leben lang machen! Mach das, was dir Spass macht. Und macht es keinen Spaß mehr, bewirbst du dich woanders hin.
Das Leben ist da – du formst es. Dann macht es auch glücklich. Und du schaffst das. Ganz bestimmt!
*weiter die daumen drück* Wie war das Examen ? – Darf ich schon gratulieren ? – Viele herzliche Grüße Andrea
Das Examen ist erst im Oktober
Dauert also noch ein Weilchen
Hallo liebe Aufschneiderin aka. Narkotiseuse
Das klingt doch toll!!!
Mal etwas anderes, wunder dich nicht, dass ich frage:
aber studierst du vielleicht in München? Je nach Antwort, werde ich dir dann sagen, warum ich das frage
Nein, ich studiere nicht in München. Wieso?
@Ina
Ich meinte eigentlich Avialle – bezogen auf das Examen.
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Dennoch: Drück ich auch dir die Daumen.
Viele herzliche Grüße ´
Andrea
Das Examen ist Deutschlandweit für alle am selben Tag – und für uns am 4./5. Oktober. Glaub ich zumindest…:P
Ich frag bloß weil ich am Mittwoch nach München gefahren bin und dort jemand im Zug saß (sie telefonierte mit einer Freundin und ich bekam heraus, dass sie in den Endzügen ihres PJs steckt) und im Nachhinein dachte ich mir: bist das vielelicht du? xD
Das PJ beginnt und endet Deutschland-weit immer gleich, einmal im Halbjahr. Darum hören auch alle gleichzeitig auf (ungefähr, manche Kliniken regeln fehl- u Studientage anders). Wir machen auch alle an den selben Tagen zur selben Uhrzeit Examen.
und ich war noch nie in München.
Jo, ich weiß, dass alle gleichzeitig fertig sind. Ich meinte damit: Ich bekam mit, dass sie Medizin studiert und jetzt auch im PJ ist. Sie hatte einfach ein paar Charakteristika, die mich denken ließen, dass das vielleicht du bist.
Aber du warst es ja nicht
Das sind ja nur noch knapp 4 Monate bis Oktober – wie doch die Zeit vergeht.
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Sollte also länger kein Blogeintrag kommen, liebe Avialle, dann weiß ich, dass du brav für das Examen lernst. Ich kann also dann ganz beruhigt sein.
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Viele herzliche Grüße – und ein schönes Wochenende wünscht dir auf diesem Weg
Andrea
Viel Erfolg bei Vorstellung und Examen!
Die heutige Berufswelt ist viel dynamischer als früher, da sind die Wege nicht immer geradeaus. Außerdem ist es besser, die eingeschlagene Richtung zu hinterfragen und dann vielleicht zu ändern, als auf Teufel komm raus am eingeschlagenen Weg festzuhalten und später schwer umkehren können.
Auch ich zähle zu den “Wechslern”, allerdings betrifft das bei mir in erster Linie die Studiumswahl. Denn Wechsel in die Pharmazie habe ich nie bereut. Beruflich mache ich jetzt nach über 10 Jahren auch etwas thematisch völlig anderes.
Ein Lemming weniger! Glückwunsch! Klabauterdoc und ich hatten schon Angst um Dich.
Keine Angst, ich gehe meinen Weg so oder so, bin niemand, der sich irgendwo durchquält, um etwas zu beweisen. Und nun kann ich mir auch einreden, dass alles auch irgendwie mal gebrauchen zu können, was ich hier fürs Examen pauke. Immerhin kann man ja durchaus mal Narkose machen bei jemandem mit einer Myasthenie oder bei einem Kind mit angeborenem Herzfehler.