Da es im Frühjahrturnus diesmal für die Chirurgie meiner letzten PJ-Klinik keine neuen PJler gab (wen wundert´s – Frühjahrsturnus ist kleiner und die Klinik nicht gerade ein Traum), dürfen wir noch weiter Dienste machen, bezahlt natürlich. Unentgeltlich würde wohl niemand in der Lernphase vor dem Hammerexamen seine Wochenenden für die Ambulanz und den OP opfern.
Auf diese Weise habe ich etwas Geld extra und komme mal weg vom Schreibtisch und wieder “ins wirkliche Krankenhausleben”. Außerdem kann man ja vorher den Dienstplan der Assistenten checken und genau schauen, für welche Dienste man sich bewirbt – also quasi mit wem man dann den Tag verbringt. Ich hatte am Samstag wieder einen der tollen Fachärzte und auch als Haus- und Visitendienst ganz nette Assistenten, von daher stand der Dienst eh schon unter einem guten Stern.
Der Facharzt ist zwar dafür bekannt “das Unheil anzuziehen“, also in einem Dienst Hunderte von Patienten durchzuschleusen. Mit mir hielt sich das jedesmal in Grenzen, meist auch weil meine Dienste nicht bei schönstem Grill-/Gartenarbeits-/Spielplatzspiel-/Radfahrwetter stattfanden. Jedenfalls hatten die lieben Chirurgen so ganz ohne PJler in der Woche schon einiges gelernt:
Auf den 4 Stationen erwarteten mich pro Station zwischen einer und 4 Blutentnahmen. Auf der Station mit den 17 Blutentnahmen vom letzten Mal, hatte die Schwester mir schon gleich gesagt sie habe aussortiert. Es ist immerhin unnötig um 9 Uhr bei 5 Patienten Blut abzunehmen, die um 11 Uhr dann entlassen werden. Vor Montag schaut sich kein Arzt die Ergebnisse an und der Patient sitzt, wenn noch etwas nicht ganz ok ist, seit zwei Tagen zu Hause damit.
Um Verbände und Drainagen bat mich niemand mehr, Braunülen gab es auch auf Nachfrage meinerseits nicht. Nach einem ausgiebigen Frühstück schlenderte ich also nach einer Stunde wieder zurück in die Notaufnahme. Dort kleckerte alles so vor sich hin, die Patienten kamen nach und nach, es wurde nie langweilig, aber die befürchtete Schwemme blieb aus.
Nachmittags wurde ich noch in den OP gerufen zu einem gebrochenen Schenkelhals, der per unzementierter Duokopfprothese recht schnell versorgt war. Nach der OP saß niemand mehr in der Notaufnahme und nach einem kleinen Plausch mit Facharzt und Hausdienst konnte ich sogar eine halbe Stunde vor meinem Feierabend gehen.
Mir schien es als hätte sich alles gut angepasst und der Super-GAU, den alle Assistenten ohne PJler vorrausgesagt hatten, sei nicht eingetreten. Gestern im Fitnessstudio trafen meine Freundin/Exmit-PJlerin einen der Assistenten auf der Trainingsfläche. Er sah extrem blass aus, mit tiefen Augenringen und müdem Gesichtsausdruck.
Wir fragten wie es denn laufen würde, woraufhin er sagte, dass vor allem die Montage die Hölle seien. Zurzeit sind Assistenten im Urlaub, einige krank und nun bleibnt das Blut abnehmen, Drainagen ziehen & co. an den wenigen anderen hängen. Das ich noch Dienste mache, hatte er auch gehört. Er war nett, wünschte uns noch viel Erfolg für die Lernzeit.
Hinterher sprachen wir noch darüber, wie schlecht er eigentlich aussah und dass es gerade wirklich stressig sein muss. Er als Einzelperson tut einem schon leid, aber wenn sie anders nicht lernen, ihre PJler besser zu behandeln… wenn sich nichts ändert, wird niemand freiwillig länger bleiben als er muss, und auch insgesamt werden immer weniger PJler dort ihr Tertial machen (sofern sie nicht von der Uni dort hingezwungen werden). Lehrkrankenhäuser können nicht nur nehmen (unsere Arbeit und das Geld für uns von der Uniklinik), sie müssen auch etwas zurückgeben…
