Letzte Woche ist etwas merkwürdiges passiert. Morgens als ich auf die Besprechung wartete und der leitendes OA hereinkam, hätte ich es schon merken müssen. Er setzte sich, erzählte von einem Patienten (kannte ich nicht, weil a) Not-OP am Abend, war nicht dabei und b) ich war sonst nur im OP und kaum auf Station) und dass er wegen tumorösem Zufallsbefung im Resektat noch einmal nachoperiert werden müsse.
Dann passierte es: er fragte mich ab! Ernsthaft. Wollte wissen, ob der Ersteingriff reicht, warum nicht und was man jetzt stattdessen für eine Zweit-OP durchführen wird. Ganz nett, aber selbst da dachte ich mir noch rein gar nichts dabei – kleiner Anfall von “Wir sind ein Lehrkrankenhaus” oder sowas.
Der Knaller kam auf Station, als wir die Oberarztvisite mitlaufen wollten. Unser Stationsoberarzt (lustig wie immer), meinte plötzlich ebenfalls uns etwas erklären zu müssen. Und auch er fragte uns ab. Der Assistent war gleichzeitig verwundert und genervt, die Oberschwester grinste nur – und versicherte dem OA auf seine Nachfrage, dass das “so genau richtig!” sei. So dauerte das Besprechen, Abfragen und mein Nachfragen insgesamt etwa doppelt so lang wie die ganze Visite.
Hinterher sortierten wir unsere Blutröhrchen, als der OA uns nachmal ansprach – ”Mädels 13 Uhr ist das Ziel für heute!” Außerdem fragte er nochmal, welche von uns Viszeralchirurgie machen wollte (das hat den vorher null interessiert, was wir machen wollen) und meinte, so ein kleines Haus sei ja genau richtig für den Einstieg. Er habe auch an unserer Uni studiert und in dem selben Haus PJ gemacht.
Alles sehr lustig und nett, nur leider wäre eine Bewerbung in dem Haus trotzdem das letzte, was mir derzeit einfällt. Wir freuten uns natürlich, bedankten uns bei der Oberschwester – aber sind noch nicht davon überzeugt, dass diese neue Motivation unserer Oberen auch von Dauer ist.
Im OP wurde mir das Ausmaß der ganze Sache erst richtig bewusst. Bei dem zweiten Eingriff sollte ich mitmachen, ein größerer Darmeingriff – mal wieder bei der Oberärztin. Klappt nicht so gut mit aus dem Weg gehen” aber naja… ich stellte mich auf 3 Stunden unbequemes Stehen, ignoriert werden und Haken halten ein. So begann die Geschichte auch, aber zum Glück hatte ich eine total nette OP-Schwester, mit der ich mich dann demonstrativ privat unterhielt bzw. mich in das Gespräch zwischen ihr und der OÄ einmischte. Außerdem machte ich dem Assi mal nonverbal gleich klar, dass ich nicht bescheuert bin (merke: glibschiger Darm lässt sich besser mit einem Bauchtuch und den Händen weghalten als mit einem ebenso glibschigem Haken!^^).
Für klare Verhältnisse gesorgt, war ich eigentlich auch ziemlich gut gelaunt, als die OÄ plötzlich meinte ich solle die Ligatur (Faden zum Zuknoten großerer Gefäße, die sich mit Strom/ Ultraschallmesser nicht sicher verschließen lassen) knoten.
Ich hatte ja den Facharzt am Vortag ganz dreist darum gebeten, als sie dabei war – an dem Teil Darm, der eh herausgenommen wird. Da schien sie nicht gerade beeindruckt. Aber jetzt ließ diese komische Frau mich wichtige Knoten im Patienten machen! Zugegeben: DAS hatte ich vorher noch nicht gedurft. Jetzt kann ich also auf einen Schlag nicht mehr behaupten, ich hätte dort nichts neues gelernt.
Es waren am Ende nur zwei Ligaturen und die getackerte Hautnaht, aber immer ein Anfang. Um 13: 30 Uhr konnte ich dann noch schnell essen, sodass ich um 14 Uhr daheim war. Eine Stunde “am Ziel vorbei”, dafür gut gelaunt und voller Hoffnung für die letzten 3 Tage in der Allgemeinchirurgie. ^^
