Nun wollte ich dem ganzen Gerede meiner Mit-PJler doch mal auf den Grund gehen. Schließlich erzählten sie mir ständig, es sei ja so toll gewesen, den Dienst mitzumachen. Auf genaue Nachfrage, was denn da so toll war, wurden mir stets Dinge aufgezählt, die ich auch im normalem Taggeschäft gemacht habe.
Da ich meinen Tutor ja eh so selten sehen und er gestern Dienst hatte, wollte ich nun doch mal mitmachen. Zwar bekommen wir kein Geld dafür, aber immerhin den Tag darauf frei. Und als Facharzt muss mein Tutor im Gegensatz zu den Assistenten nicht die länger dauernden OPs aussitzen, sondern ist für den Schockraum zuständig. Also von sich aus schon einmal vielversprechend.^^
Meinen Tutor schien das auch zu freuen, jedenfalls redete er viel mit mir, kümmerte sich und ließ mich sogar die ganze Narkose bei einer Schwester aus unserem Haus durchführen. Ich fragte extra nochmal nach, ob er das nicht lieber selber machen würde, aber er meinte das sei ok so – er wisse was ich könne und vertraue mir dabei völlig.^^
Von ihm bekam ich nicht das einzige Lob des Tages, denn auf dem Plan entdeckte ich einen Jungassistenten in einem anderen Saal mit großer Bauch-OP und Vollverkabelung. Bei uns war eh gerade Zwangspause im Saal, also sprang ich mal ans andere Ende des OP-Trakts. Dort stand nicht nur der Jungassi, der mich grinsend empfing, sonderna auch einer der leitenden Oberärzte. Dieser begann dann erstmal mich über sein Promotionsthema abzufragen und mochte offenbar, was er hörte, denn danach kam ein Loblied auf die Anästhesie und ein halbes Bewerbungsgespräch. Der Jungassi warf natürlich sofort meinen richtigen Berufswunsch ein, was den OA nur noch mehr motivierte. Und mit vielen seiner Argumente für die Anästhesie und gegen die Chirurgie hat er leider auch sehr recht. Zumal ich mir bei dem tollen Team wirklich vorstellen könnte, dort zu arbeiten. Aber ich will doch operieren… )=
Da es mit der großen Einleitung doch noch nicht losging, konnte ich schnell eine Larynxmaske in meinem eigentlichen Saal schieben – und fand selbigen OA gleich wieder in der Einleitung! Diesmal unterhielt er sich mit meinem Tutor über mich, der dem OA dann auch noch andere Situationen erzählte, bei denen ich “aufgefallen” sei. Sie verpackten es ganz witzig, aber ein bißchen rot bin ich trotzdem geworden.
Bei der großen Einleitung durfte ich zwar die Intubation (Ileus-Einleitung) nicht durchführen, aber dafür meine erste Flow-Switch-Arterie legen (die anderen hatte ich sonst immer über einen Seldingerdraht gelegt). Einmal kurz para gewesen, klappte es im zweiten Versuch fast auf Anhieb – wieder etwas neues tolles gemacht!^^
So pendelte ich eigentlich den ganzen Tag zwischen meinem richtigem Tutor und dem Jungsassi, der Rufbereitschafts hatte. Gerade als es ruhiger wurde und gegen Abend auch die letzten OPs langsam ein Ende hatten, hieß es es käme ein Patient mit akuter Blutung im Rachenraum in den Schockraum. Einer der Oberärzte war schon vor Ort, der Patient kam intubiert aus dem Kreiskrankenhaus Hinterwaldshausen, mit kleinen Zugängen (eine blauer, zwei grüne) und komischem Zeug dran (wo gibt man denn heute noch Gelatine als Volumenersatz???).
Der Oberarzt regte sich tierisch auf, dass die HNO-Ärzte ewig brauchten, kein Blut kam, die BGA nicht gemacht wurde und und und. Irgendwie fand ich den Schockraum relativ unprofessionell, überall stand Zeug im Weg herum, wichtige Dinge wie Handschuhe oder großlumige Zugänge waren irgendwo an der Wand versteckt. Das Personal dort hatte entweder gar keine Ahnung wo etwas war oder brauchte zwei Extraeinladungen, um den Anordnungen des OA nachzukommen. Für mich war damit alles meine Aufgabe, was die anderen nicht hinbekamen: BGAs machen, Transportdienst anrufen und nach den Blutkonserven fragen, Saugung holen und anschließen, Nadeln und anderes spitzes Material entsorgen, große Viggos legen. Der Jungsassi legte dabei die Arterie, der OA bronchoskopierte und der Narkosepfleger zog Medis auf und gab sie. Alle anderen standen herum und gingen ganz schnell wieder, nach dem Motto “Na ihr habt ja alles im Griff!”.
Da sich ja keiner berufen fühlte machte ich dann auch noch beim Transport in den OP mit, leitete die Blutkonserven wieder um (die sollten ja jetzt gleich in den OP und nicht in die Notaufnahme) und half im OP bei den üblichen Maßnahmen. Insgesamt lief die ganze Sache also richtig gut, den Hb-Abfall hatten wir gut abgefangen, die HNO-Ärzte fanden die Blutunsquelle und konnten das Gefäß ligieren. Bis auf die organisatorischen Mängel hatten wir also keine großen Probleme und selbst die Blutgase wurden unter gescheiter Beatmungstherapie besser.
Der Patient ging auf unsere Intensivstation und schon war es wieder ruhiger im OP-Trakt. Bei einer Kleinigkeit in der Gyn durfte ich noch mitmachen und schon war es 22 Uhr. Die Zeit verging wie im Flug, doch spätestens zuhause merkte ich dann wie müde und geschafft ich eigentlich war. Allein das herumlaufen für über 14 Stunden strengt an, besonders wenn man dann noch unter Strom steht.
Gelohnt hat sich der Dienst auf jeden Fall, aber ich hatte auch richtig Glück mit dem tollen Team. Beim nächsten Mal werde ich definitiv vorher auf den Plan gucken, wer noch so alles Dienst hat – und mein Tutor hätte sicher nichts dagegen, wenn ihm öfter Gesellschaft leiste.^^
Read Full Post »