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Mit ‘Praktikum’ getaggte Artikel

Eine höhere Macht wollte gestern offenbar nicht, dass ich heute rechtzeitig zum Praktikum erscheine. Jedenfalls merkten wir auf dem Weg zurück vom Fitty schon den extremen Wind auf der Schnellstraße und beim Duschen daheim sagte der Mann im Radio es gebe bei der Bahn ein totales Chaos. Bahnhöfe im Süden gesperrt, weshalb ich schon erwartete, dass ich keinen Zug in Richtung Norden nehmen könne. So war es auch, im Netz hatten alle Züge rote Ausrufezeichen.

Meine Eltern waren da keine große Hilfe bei der Entscheidung heute zu fahren, mein Dad meinte ich solle dann wenigstens den frühen Zug nehmen, sodass ich trotzdem rechtzeitig in der Praxis sei. Die liebe Sturmpoetin<3 und ich waren da aber in unserer “Telefonstandleitung” anderer Meinung, sodass ich mich für den späten Zug entschied, der eben eine Stunde zu spät eintrifft. Laut dem Arzt hätte ich den ja auch nehmen können, wenn ich nun keinen dauerhaften Schlafplatz gefunden hätte. Im Endeffekt war ich auch froh, denn mein halber Balkon verabschiedete sich und heute war dann die Rede von über 50 Toten durch den Sturm. Die alte Dame meinte vorhin auch hier hätte man den Bahnhof gesperrt und als ihr Enkel losfuhr, hatten bereits alle Züge 120 Minuten Verspätung.

Ich verbrachte den Abend gemütlich bei mir zu Hause, schlief nochmal im eigenen Bett und machte mich heute morgen dann zum Bahnhof auf – und voilá: mein IC war der erste in Richtung Norden, der überhaupt fuhr, mit 20 Minuten Verspätung versteht sich. So kam ich um halb 10 in der Praxis an, was kein Problem war. Der Arzt war eher mitleidig-belustigt und fragte, ob ich eine tolle Anreise gehabt hätte.

Sonst war es wie immer, ihm fiel nur auf, dass ich ja heute “so still” sei. Ich murmelte was von wegen müde. Auf Nachfrage zum Seminar sagte ich wahrheitsgemäß, dass es gut war. Sonst erzählte er im Laufe des Tages wieder jede Menge privates Zeug (bei dem ich nun immer denke “interessiert mich nen Sch**ß) und ich beantwortete Fragen, warf gelegentlich mal was ein und gab mich eben eher unauffällig. Bei einem Patienten hörte ich in der Auskultation sogut wie nichts – kräftiger Typ und ich hatte ehrlich gesagt auch keine große Lust. Als ich dem Arzt das so mitteilte (also dass ich eigentlich nichts gehört habe, den Rest dachte ich nur^^), hörte er nochmal ab, sparte sich aber jeglichen Kommentar.

Gut war nur die Mittagspause, ich klingelte nämlich bei der Bekannten, die dort in der Nähe wohnt. Sie war unheimlich lieb und hat eine unglaubliche Wohnung. Sie lebt mit ihrem Mann in einer Eigentumswohnung in einem schönen Altbau und hat diese einfach genial eingerichtet. Ich liebe ihren Geschmack, aber selber hätte ich nie genug Geld um mir das so schön zu gestalten. Weißer Flügel, schwarzes Ledersofa, weiße Möbel, alles liebevoll dekoriert, lauter Orchideen und andere Pflanzen, sämtliche Haushaltsgeräte und alles in der Küche von sehr teuren Marken. Wirklich nicht übel für eine Studentin!^^

Wir redeten ein bißchen, entschieden dann im Steakhaus essen zu gehen. Dort erzählte sie viel von ihrem Mann, ihrer Heimat (sie ist Asiatin) und wie sie nach Deutschland kam. Danach gingen wir noch etwas Shoppen, wo ich natürlich wieder einmal etwas kaufte: braune Asics und ein gelbes Shirt. Bei ihr gab es noch kurz einen Kaffee und dann musste ich auch schon wieder in die Praxis. Für morgen haben wir uns auch verabredet, mittags holen wir etwas und essen bei ihr. Abends gehen wir eventuell schwimmen, wenn ich nicht gerade bis 20 Uhr in der Praxis rumhänge.

Am Mittwoch gehe ich an meinem freien Nachmittag dann mal hier ins Fitty (meine Kette hat auch hier ein Studio) und lernen sollte ich zwischendrin eben auch mal. Ich nutze die Gelegenheit einfach die Stadt zu erkunden und genieße alles, was es bei uns nicht gibt – egal wie langweilig es in der Praxis ist. Bin eh nicht scharf darauf, dort besonders aktiv zu werden, nachher darf ich nicht früh genug heim, weil ich tatsächlich eine Hilfe bin!^^

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schade!xD

Ich wollte ja wirklich heute nach dem Sport direkt Sachen packen, die liebe Sturmpoetin anrufen und dann losfahren. Leider hat mir der Sturm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun fahre ich erst morgen früh und da ich durch die ganzen Aktion letzte Woche sogut wie keine Motivation mehr für dieses Praktikum besitze, nehme ich selbstverständlich den bequemen Zug, mit dem ich um kurz nach 7 losfahre. Dann bin ich zwar erst um 9 in der Praxis, aber da kann ich ja nix für. Um 6 Uhr sind die Gleise vielleicht ja auch noch gar nicht freigeräumt – warum also so früh zum Bahnhof fahren?

Dem Arzt werde ich was erzählen, wenn er es wagt auch nur irgendeinen Kommentar abgibt, der nicht “Das war genau richtig!” lautet. Für den Sch**ß dort stehe ich doch nichts nachts in der Pampa oder Stunden am Bahnhof bis überhaupt ein Zug kommt. Also heisst es heute nacht eigenes Bettchen und morgen schonmal eine Stunde Langeweile gesparrt. Abends gehe ich glaube ich in die Therme und Mittwoch nachmittag dort zum Sport. Meine Trainingssachen habe ich die Woche dabei und mich auch zum Essen und Shoppen verabredet. Trotz Praktikum mache ich mir einfach eine schöne Woche, die Klausur läuft schon irgendwie und dann gehts am Samstag schon zu meiner süßen Sturmpoetin – oh, ich freu mich sooo!^^

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wenn er meint…

Nun komme ich auch mal wieder zum Bloggen, Donnerstag und gestern war mir auch irgendwie nicht so recht danach. Die Situation in der Praxis hat sich sozusagen verändert, denn am Donnerstag mittag wollte der Arzt dann mal mit mir reden. Er fragte wie es mir gefalle und ob ich etwas lernen würde, was ich bestätigte.  Dann nahm das Gespräch aber schnell eine Wendung, denn ihm brannte etwas auf der Zunge, was er mir nicht erst am Ende des Praktikums sagen wolle. Ich sei fachlich sehr gut und wisse unheimlich viel, würde aber dadurch und meine Art zu erzählen wohl später mit Vorgesetzten und Pflegepersonal Probleme bekommen. Er habe am Anfang seiner Laufbahn ähnlich Probleme gehabt und sieht daher bei mir die Gefahr, weshalb er mir das lieber jetzt mitteilen wolle. Mit seiner Frau habe er das auch besprochen (Psychiaterin) und beide meinen, ich solle mehr darauf achten, wie ich auf andere wirke. Also im Klartext was sie mir auch schon gesagt hat und es war auch sicher nett gemeint…

ABER: 1. Sie ist genauso und ich glaube ihr daher, dass sie mich nur schützen will. 2. Er sagt mir das nach 3 Tagen, ich würde nicht behaupten, dass er mich gut genug kennt, um mich einzuschätzen. 3. Ich hasse es, wenn man  über mich mit Leuten diskutiert, die mich absolut nicht kennen

Ich verstehe gut was er meint und glaube ihm auch, dass es nicht böse gemeint ist. Er betonte auch, ich solle es als Kommentar von jemandem nehmen, den ich nach dieses 2 Wochen nie wieder sehe. Er würde mich auch persönlich mögen und alles, nur wie soll ich nun reagieren? Ich erzählte auch, dass ich früher nichts gesagt habe, obwohl ich was wusste. Bis zur Oberstufe hatte ich nur 3er, wegen der ganzen 4er und 5er in den mündlichen Noten. Im Studium musste ich das ändern, denn als stilles Mäuschen kann man einfach keinem Patienten das Gefühl geben, man wisse was man da tut – schon gar nicht wenn man aussieht wie 17, eben über die 170cm kommt und 55kg wiegt.

Vielleicht übertreibe ich da wirklich manchmal, nur war es diesmal auch so, dass er mich ständig ausgefragt hat. Er wollte wissen, was ich machen will, wo ich schon famuliert habe und harkte auch immer wieder nach. Selber erzählte er auch viel, ebenfalls Privates, sodass ich nicht das Gefühl hatte, aufpassen zu müssen was ich sage. Noch dazu kam, dass ich ja absolut nichts durfte – bisher habe ich zwei Patienten interviewt und einmal auf ein Herz gehört. Früher wäre ich da komplett wahnsinnig geworden, ich hasse es nichts zu dürfen, keine eigenen Aufgaben zu haben und praktisch nichts neues zu lernen. Das Nichtstun habe ich glücklicherweise in den 30 Tagen Neurochirurgie gelernt. Heute im Seminar war es aber schon bezeichnend, dass alle anderen Studenten sagten, sie würden voruntersuchen, richtig viel Blut abnehmen, impfen und Gesundheitschecks ganz allein durchführen. Mein Arzt hat das Seminar geleitet, daher durfte ich das quasi auch heute nicht anmerken.

Ich weiß nicht, ob er mich damit bestraft, nach dem Motto “Wenn du das alles schon gemacht hast, brauchst du das ja hier nicht mehr!”, oder ob er andere Dinge wie Anamnese wichtiger findet, denn Blutentnahmen wird man im PJ noch genug haben. Jedenfalls war es dann am Donnerstag nachmittag und Freitag komisch, ich hatte das Gefühl gar nichts mehr sagen zu dürfen. Also saß ich nur rum, beantwortete Fragen und stellte gelegentlich mal unschuldig selbst eine. Keine Ahnung, ob das nun erwünscht ist – ich weiß einfach nicht, was er nun von mir erwartet. Viele Fragen (zum Beispiel zum EKG) stelle ich aber auch nicht, wenn er so selbstverständlich davon redet, denn wenn mein einzig positiver Eindruck dort darin besteht, dass ich viel weiß, werde ich das sicher nicht auch noch kaputtmachen. Der Typ benotet mich schließlich am Ende. Er meinte sogar, er fühle sich herausgefordert mir Fragen zu stellen, deren Antwort ich gar nicht kennen kann – wer hat hier eigentlich das Problem, er oder ich?

Mittlerweile stehe ich dem ganzen aber so gleichgültig gegenüber, dass ich einfach nur will, dass es vorbei ist. Ich war so froh am Freitag früh heimfahren zu können. Auf das Seminar heute hatte ich aus dem Grund auch absolut keine Lust. Mit mir kamen aber fast alle 10 Minuten zu spät und meine Gruppe war echt toll. Die Jungs lustig und die Mädels lieb. Ich denke der Arzt wunderte sich auch, dass ein Mädel (mit ihr hatte ich einige Kurse, kenne sie aber kaum) mir gleich einen Brownie schenkte und das Mädel neben mir (habe ich heute kennengelernt), darauf bestand, dass ich zwei Stücke ihrer bestellten Pizza mitaß.

Richtig unpassend fand ich aber am Ende, als mich ein weiteres Mädel (kannte ich von der Einführung am letzten Montag) mich nach dem Seminar, als nurnoch der Arzt, wir beide und zwei weitere Studis da waren, fragte woher ich so ein großes Wissen hätte. Sie meinte es lieb und war wirklich beeindruckt, aber das war so ziemlich der schlechteste Zeitpunkt, den sie hätte wählen können. In der Pause hatten wir uns ohne den Arzt unterhalten – hätte sie nicht da fragen können? Und außerdem sehe ich das eh nicht so, ich habe nur ein gutes Gedächtnis. Alle anderen haben das für Innere und Mikrobio auch alles gelernt, es nur einfach wieder vergessen. Erst verstand ich ihre Frage auch nicht und fand es wie gesagt überspitzt formuliert. Ich sagte, dass es nur daran liege, dass ich ihm letzten Semester Pharma II hatte und sie es erst im kommenden belegt. Man würde dort Fälle bearbeiten und die Therapie besprechen, das bringe total viel und einen guten Gesamtüberblick. Stimmt zwar nicht so ganz, da ich das meiste wirklich aus dem ersten klinischen Jahr erinnere oder aus praktischer Erfahrung weiß – bloß das hätte ich ja nie im Leben sagen können. Bei dem Arzt wäre es sicher genauso arrogant rübergekommen, die ganze Aktion war so schon blöd. Würde er mich nicht nur ein paar Tage kennen, wüsste er, dass ich NICHT denke, ich weiß alles, sondern eher, dass ich ständig das Gefühl habe nichts zu wissen und zu können.

Deshalb lese ich so viel, darum famuliere ich viel, das ist der Grund warum ich gerne etwas vom Pflegepersonal lerne! Und ich hatte NOCH NIE Probleme mit der Pflege, im Gegenteil. Ich habe von Schwestern und Pflegern so viel gelernt, was man von sehr vielen Unidozenten nicht behaupten kann. Alles was ich kann, habe ich von der Pflege, aus Famulaturen oder mir selber mit Büchern beigebracht. Die Uni hat herzlich wenig damit zutun, aber  ich kenne eben die schelchte Ausbildung, darum versuche ich sie auszugleichen.

Über das Gespräch habe ich nochmal nachgedacht, aber noch immer bin ich mir nicht sicher, wie ich da einen Mittelweg finden soll. Ich meine, ich bin nunmal weiblich, klein, dünn und sehe lieb aus – und ich will in die Chirurgie, eventuell am Anfang an die Uni! HALLO?!? Die fressen mich da, wenn ich wie Bambi wirke, da muss man zeigen, was man kann. Ich bin eben keine 2m groß und wirke nicht wie ein Bär, und die Chirurgie ist kein Ponyhof. Wenn das den einen oder anderen dann stört, muss ich es wohl in Kauf nehmen. Ich bin gewohnt, dass mich keiner mag und wunder mich fast ständig, wenn Leute ohne Hintergedanken/Gegenleistung nett zu mir sind (wie heute mit dem Brownie und der Pizza).

Insgesamt ist es ja nett zu wissen, wie man wirkt – nur hätte ich mich einfach jemand, der weniger aufgeschlossen und interessiert tut, auch lange nicht soviel erzählt. Fazit: Vertraue niemandem! Sag lieber nie, dass du Chirurgie machen willst, wenn dein Gegenüber kein Chirurg ist! (Wobei ich im 10. Sem. auch blöd finde, wenn man sagt “ich weiß noch nicht, was ich werden will!”) Rede am besten gar nicht über Privates und auch sonst nur wenn du gefragt wirst! Immer lächeln, nicken und interessiert tun!

Ich bezweifele zwar, dass ich mich so verhalten kann, aber ich werde es versuchen. Momentan wirke ich wohl einfach nur still und niedergeschlagen, aber vielleicht ist das  ja lieber gesehen…

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